(SZ) Der erste Schritt ist getan. Um es gleich zu sagen: Es ist nur ein Mäuseschritt, der ungezählte Male in den Abdruck eines Mammutfußes passt. Die amerikanischen Genforscher von Colossal Biosciences hindert das aber nicht, diesen für die Menschen eher kleinen Schritt als Wendepunkt in der Wiederauferstehung des Mammuts zu feiern. Steven Gätjen, 52, von ProSieben, der die Oscarnacht moderierte, würde jetzt in seiner Sprache, also der Sprache der 20-Jährigen, sagen, was er oft gesagt hat bei diesem Spektakel, nämlich: Das ist mega! Der CEO Ben Lamm spricht im Fall der „Colossal Woolmouse“ lieber von einer Mission. Das Unternehmen habe „bewiesen, dass wir in der Lage sind, komplexe genetische Kombinationen zu schaffen, für die die Natur Millionen Jahre brauchte“. Dieser Erfolg bringe das Team dem Ziel, „das Wollmammut zurückzubringen“, einen Schritt näher. Wie die Elefanten, die nach diesem Anfangserfolg anschließend in mausartige Wollmammuts umkodiert werden sollen, darüber denken, ist schwer zu sagen. Aber die Anknüpfungspunkte zwischen Mäusen und Elefanten bieten ja einigen Spielraum.
Was sich jetzt aber bei allen Spekulationen verbietet, sind billige Witze. Dass die neu kodierte Colossal Woolmouse aussieht wie Donald Trump nach einer Haarimplantation mammuthaften Stils, in die anschließend der Punkblitz eingeschlagen hat – Fake-News-Propaganda. Dass Afrikanische Elefanten sich jetzt ausgerechnet in noch größere und absolut winterfeste Mammutelefanten verwandeln sollen – wissenschaftlich haltloser Comicslapstick. Dass die im ersten Schritt winterfest gemachte wie modisch zukunftssichere Mausart sich von nun an weltweit neue Lebensräume erschließen kann und Walt Disney recht hatte in seinem unerschütterlichen Glauben an Micky Maus – höchstens Stoff für Seminare der Tierpartei.
Kommen wir lieber zum Wesentlichen, der Abkehr von einer Denkungsart nämlich, die viele angeblich große Männer der Big Industry, aber auch des amerikanischen Kinos leidenschaftlich geprägt hat, wenn sie ein großes Ziel vor Augen hatten: Think big! Und wohin hat das meistens geführt? Big Problems statt Big Victories. Immer wird groß gedacht und am Ende eher klein gehandelt, sogar beim großen Horaz: Es kreißte der Berg – und gebar eine Maus. Warum denn nicht mal umgekehrt? Es kreißte die Maus und gebar ein Mammut. Erwartungshaltung: null. Ergebnis: mega! Wiederum der sogenannte Volksmund: viel Geschrei und wenig Wolle. Nein, es geht ja offenbar auch umgekehrt. Es ist Zeit für das Zeitalter der Wollmäuse: wenig Geschrei und viel Mammut. Wie sich die Weltpolitik mit diesem neuen Denken anfreunden wird? Die letzte Hoffnung ist, dass am Ende bei dem vielen hässlichen, gemeinen, niederträchtigen Geschrei doch nur eine „Colossal Trumpmouse“ herauskommt.