Am Internationalen Frauentag, der in Berlin auch ein Feiertag ist, wurde bei sonnigem Wetter auf den Straßen für Gleichberechtigung und andere Forderungen demonstriert. Tausende waren unterwegs auf diversen Kundgebungen und Demonstrationszügen.
Eine der größten Demonstrationen – gemessen an der angemeldeten Zahl von 10.000 Menschen – veranstalteten Gewerkschaften sowie linke, feministische und stadtpolitische Gruppen, darunter auch die „Omas gegen rechts“. Sie startete um 12.30 am Oranienplatz in Kreuzberg als „Feministische Demo zum Internationalen Frauentag“, Ziel war das Rote Rathaus in Mitte.
Kurz vor 14 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Polizei rund 9000 Teilnehmende. Am späteren Nachmittag war vom „unteren fünfstelligen Bereich“ die Rede. Die Organisatoren sprachen von 25.000 Teilnehmern.
Demo startete am Oranienplatz
Zu Beginn der Demo, die feministische Forderungen und Kämpfe in den Mittelpunkt stellte, hieß es in einer Ansage: „Unsere Demonstration ist offen für alle Geschlechter. Trans-Frauen sind Frauen. Personen, die das anders sehen, sind auf unserer Demo nicht willkommen. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hat auf unserer Demo keinen Platz. Darunter fallen unter anderem: Rassismus, Antisemitismus, Trans- und Queerfeindlichkeit.“ Zudem wurde darum gebeten, auf Nationalfahnen und nationale Symbole zu verzichten.
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© REUTERS/ANNEGRET HILSE
Teilnehmerin Tabea (26) sagte zu ihrer Motivation: „Ich bin heute hier, weil der internationale feministische Kampftag gerade in Anbetracht der neuen Regierung in Deutschland mit Merz als Kanzler umso notwendiger ist. Gerade auf dieser gewerkschaftlichen Demo ist es wichtig, dass wir uns feministisch und antimilitaristisch zusammenschließen.“
Christa (80) trug ein Transparent mit der Forderung „Hebt den Paragrafen 218 auf“, ein Statement für die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Sie sagte: „Ich bin auf der Demo, weil ich ein Mensch bin und irgendjemand sich leistet, den Frauen weniger Lohn zu zahlen, den Frauen das Recht abzusprechen, über ihren eigenen Körper zu verfügen.“ Und sie fügte hinzu: „Es ist unglaublich, was sich diese Gesellschaft leistet! Seit 1949 steht im Grundgesetz, dass die Frauen gleichberechtigt sind. Die verstoßen ständig gegen die eigenen Paragrafen.“

© REUTERS/ANNEGRET HILSE
Und Jonas (22) betonte: „Ich finde es besonders wichtig, heute auch als Mann auf der Straße zu sein und für die Rechte von Frauen einzutreten. Es ist wichtig, sich gegen diese patriarchale Gesellschaftsstruktur positionieren. Unter den Strukturen leiden Personen aller Geschlechter.“

© Antonia Bohländer
In den Abschlussreden am Roten Rathaus forderten die Redner der verschiedenen Organisationen u.a. die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Enteignung von Wohnungsunternehmen.
Auch am Kreuzberger Mariannenplatz startete am Mittag ein Aufzug: die Fahrraddemo „The Purple Ride“, organisiert von einem queerfeministischen Kollektiv. Dazu versammelten sich die Teilnehmerinnen am Platz und im angrenzenden Park.
Zu ihrer Motivation sagte Julika (24): „Mir geht es vor allem um Sichtbarkeit und darum, auf Ungleichheiten aufmerksam zu machen. Auf die systematische Diskriminierung von nicht männlichen Personen.“ Und die Teilnehmerin Lea (42) sagte: „Wir können uns endlich mal unseren Platz nehmen auf der Straße – und wir können so laut sein als weiblich gelesene Personen. Und deswegen bin ich hier. Für die Gleichberechtigung aller Geschlechter, was in unserem Land leider immer noch nicht der Fall ist.“
Israelfahnen unerwünscht bei Demo in Kreuzberg
Weil Teile der linken und linksradikalen Szene zerstritten sind, etwa über den Nahost-Konflikt zwischen Israel und Palästina, waren sie auf unterschiedlichen Veranstaltungen unterwegs. Die Polizei wollte vor allem die linksradikalen Demonstrationen mit Bezug zu Palästina begleiten.
An der Wiener Straße, Ecke Ohlauer Straße, sowie am Spreewaldplatz liefen am Abend noch zwei linke bis linksradikale Demonstrationen mit geschätzten 1.000 bis 2.000 Teilnehmerinnen, zu denen auch palästinensische Gruppen aufriefen. Israelfahnen seien nicht erwünscht, hieß es, Palästina-Flaggen hingegen schon.
Bei der Demo an der Wiener Straße, bei der laut einer Polizeisprecherin größtenteils propalästinensische Demonstrierende anwesend waren, kam es zu strafbaren Ausrufen. Als eine tatverdächtige Person festgenommen wurde, hätten weitere Teilnehmende der Versammlung, die die Person befreien wollten, Beamte angegriffen. Die Polizei habe deshalb „körperlichen Zwang“ anwenden müssen.
Außerdem wurde auf der Demonstration laut einer Polizeisprecherin Pyrotechnik abgebrannt. Insgesamt sei es im gesamten Versammlungsgeschehen des Tages zu zehn Freiheitsbeschränkungen gekommen. Mindestens ein Polizeibeamter ist verletzt worden.
Polizei mit 800 Einsatzkräften präsent
Laut eigenen Angaben war die Polizei bei den verschiedenen Demos mit insgesamt rund 800 Einsatzkräften präsent. Die Verkehrsinformationszentrale warnte via X vor Sperrungen und Verkehrseinschränkungen.
Am S-Bahnhof Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg gab es am Nachmittag eine kleinere Demo mit 3.000 Teilnehmern, die sich unter anderem gegen Antisemitismus stellte. Am Oranienplatz und Spreewaldplatz in Kreuzberg sollten am Nachmittag und Abend zwei linke bis linksradikale Demonstrationen mit geschätzten 1.000 bis 2.000 Teilnehmerinnen beginnen, zu denen auch palästinensische Gruppen aufriefen. Gegen 17.00 Uhr hatten sich laut Polizeiangaben am Oranienplatz rund 3.500 Personen versammelt.
Am Sonntag sollte es zudem eine größere Demonstration geben, die um 17.00 Uhr am Brandenburger Tor mehr Unterstützung für die Ukraine fordert und sich gegen Russland und den vor drei Jahren begonnenen Krieg richtet. (mit dpa)