Wenn man die gerade zu Ende gegangene Biathlonsaison Revue passieren lässt, dann offenbart sich – zumindest aus Sicht der Frauen – ein ziemlich erfreuliches Bild. Mit Franziska Preuß stellt der Deutsche Skiverband (DSV) zum ersten Mal seit Laura Dahlmeiers Erfolg 2017 wieder die Siegerin im Gesamtweltcup.
Wenige Wochen zuvor hatte die 31 Jahre Bayern bei der WM in Lenzerheide bereits Gold, Silber und zweimal Bronze gewonnen.
Deutschland hat demzufolge eine neue Frontfrau, was einer gewissen Tradition folgt. Magdalena Neuner und Dahlmeier waren der Konkurrenz in manchen Jahren weit überlegen, sie konnten sich an einem schlechten Tag am Schießstand eigentlich nur selbst schlagen. Beiden beendeten ihre Karrieren nach rund sechs Jahren mit einer umfassenden Medaillenausbeute.
Denise Herrmann-Wick, die vom Langlauf zum Biathlon gewechselt war, brauchte Zeit, um sich die Sicherheit mit dem Gewehr zu erarbeiten. Den Gesamtweltcup konnte sie nie gewinnen, dafür war sie nicht konstant genug. Aber mit dem Olympiasieg in Peking und zwei WM-Medaillen wurde sie zum Orientierungspunkt für die vielen deutschen Wintersportfans.
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Preuß profitierte vom Sturz ihrer größten Konkurrentin
Nun ist also Preuß in diese Fußstapfen getreten. Der letzte Schritt zum Triumph im Gesamtweltcup war keineswegs vorgegeben. Im letzten Rennen des Winters hatte sie in der Rolle der Herausforderin von einem Sturz ihrer Konkurrentin Lou Jeanmonnot profitiert und den Massenstart gewonnen. Am Ende betrug ihr Vorsprung 20 Zähler. Zuvor war sie nicht die eine herausragende Athletin, aber sie hat sich den ganzen Winter über kaum größere Ausrutscher geleistet.
„Ich habe zu den Trainern schon gesagt, dass ich ein bisschen länger Pause brauche als normal. Ich bin schon echt durch“, sagte die 31-Jährige nach dem größten Erfolg ihrer Karriere, „auch vom Kopf her waren das jetzt anstrengende drei Wochen.“ Gemeint ist damit der Endspurt der Weltcupsaison nach der WM.
Wie wichtig es ist, den Körper zu verstehen und ihm Ruhepausen zu gönnen, wenn Stress und Druck überhandnehmen, das musste Preuß in ihrer Karriere immer wieder neu lernen – mit teils ernüchternden Erlebnissen.
Gesundheitliche Probleme machten ihr immer wieder zu schaffen, sodass sie stets ihren Rhythmus verlor und sich immer wieder unter größten Anstrengungen zurückkämpfen musste, gerade auch zu den Olympischen Spielen. Bei ihrer Premiere 2014 erlebte sie einen Nervenzusammenbruch, weil diese neue Bühne und das entsprechende Verhalten der Trainer sie überfordert hatten.
Biathleten sind in Deutschland auch Popstars
Nachdem sie die Saison 2016/2017 wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig beendet hatte, kam sie gerade noch rechtzeitig für die Spiele in Pyeongchang 2018 in Form und verpasste dort als Vierte im Einzel nur knapp eine Medaille.
2022 gewann sie zwar Bronze mit der Staffel, allerdings hatte sie die Qualifikation sprichwörtlich auf den letzten Drücker geschafft. Was ihren Körper und ihre Psyche offenbar so sehr gefordert hatte, dass sie im Januar 2023 vorzeitig aus dem Weltcup aussteigen musste. Auch die Heim-WM in Oberhof fand ohne sie statt „Ich war nicht mehr bereit für den Sport“, hatte sie dem Portal „Biathlonworld“ einmal gesagt.
Im vergangenen Jahr unterzog sie sich einer Operation an der Stirnhöhle, was dazu beitrug, dass sie fortan weniger mit Erkältungssymptomen zu kämpfen hatte. Das Vertrauen in den eigenen Körper wuchs, sie konnte zielstrebiger trainieren. Das Ergebnis zeigt sich in diesem Winter.
Nun geht es darum, in der Vorbereitung auf den kommenden Winter genau daran anzuknüpfen, denn dann stehen die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo an. Sie könnten – und das ist der Plan – eine wechselvolle Karriere krönen.
Das Leben als Frontfrau des deutschen Biathlonteams ist auch abseits der Loipen und des Schießstands stressig, das haben auch alle ihre Vorgängerinnen so beschrieben. Denn es trägt Züge eines Popstars. Dass Preuß schon so viel erlebt hat – Positives wie Frustrierendes – dürfte ihr helfen, auch hier die richtige Balance zu finden.