Am vergangenen Wochenende war Tibor Pleiss in Bamberg unterwegs, dort kennt er sich aus. Länderspiel gegen Bulgarien, er war mit seinen 2,18 Metern wieder mal der Längste auf dem Parkett. Er ist neuerdings nach ewiger Pause wieder Basketball-Nationalspieler, so wie damals, als er zwischen 2009 und 2012 bei den Brose Baskets spielte. Lang her, aber die Bamberger Fans haben ihn nicht vergessen, sie widmeten ihm und Kollege Daniel Theis (noch ein Ehemaliger) ein Plakat mit der Aufschrift „Welcome Home Daniel und Tibor“.
Wo daheim ist, das hat Pleiss, 35, vor Jahren einmal im Interview mit der SZ erzählt - „Home is, where the Dom is“, sagte er damals voller Stolz. Als gebürtiger Kölner bleibt die Heimat eben für immer am Rhein, selbst wenn man mittlerweile ein Weitgereister des Basketballs ist. Pleiss’ neuester Umzug findet nun von Sizilien nach Athen statt. Der Center wechselt von seinem bisherigen Verein Trapani Shark zum Euroleague-Klub Panathinaikos. An diesem Mittwochvormittag absolvierte der einstige NBA-Mann (zwölf Einsätze für die Utah Jazz) den Medizincheck in der griechischen Hauptstadt, er wird bis Saisonende von Trapani ausgeliehen. Zum Einsatz soll er in Athen nur in der Euroleague kommen.

Final Four der Basketball-Euroleague
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Schmonzette am Rhein
Basketballer Tibor Pleiss hat beim Finalturnier der europäischen Königsklasse an diesem Wochenende ein Heimspiel in Köln - und will mit einigen deutschen Vorbildern gleichziehen.
Bei „Pana“ geht es direkt für ihn los, das erste Training beim Großklub mit den fanatischen Fans steigt noch um die Mittagszeit. Dass Pleiss nach Athen gereist war, hatten am Dienstag schon Bilder vom Flughafen belegt, da blitzten die Kameras der wartenden Fernsehmenschen – ein neuer Spieler bei Panathinaikos ist im basketballverrückten Griechenland fast schon eine Staatsangelegenheit. Und Pleiss musste prompt einem Reporterpulk erklären, „dass nun doch alles sehr schnell geht“, dass er sich „riesig freue“, weil er endlich wieder bei einem von Europas „Top-Teams“ landen würde.
So bekommt seine Karriere, die sich mit dem Schritt in Italiens Liga im vergangenen Sommer eigentlich schon Richtung untergehende Sonne geneigt hatte, noch einmal eine Wendung. Es geht manchmal etwas unter, aber: Noch immer ist Pleiss der erfolgreichste und langlebigste Deutsche in Europas Spitzenbasketball. Zweimal (2021 und 2022) gewann er in tragender Rolle mit Efes Istanbul die Euroleague, diesen höchst anspruchsvollen Wettbewerb, in den Basketball aus Germany erst nach und nach hineinwächst. Der einzige andere deutsche Euroleague-Sieger heißt Patrick Femerling, der 2003 mit Barcelona triumphierte (zuvor gewannen Chris Welp und Mike Koch den Vorgänger-Wettbewerb).
Pleiss kann mit Athen zum dritten Mal die Euroleague gewinnen
Mit Panathinkaikos hat Pleiss nun die Chance, sogar ein drittes Mal den Pokal zu holen, denn der Titelverteidiger ist auch diese Saison wieder vorn dabei. Aktuell steht man auf Platz drei der Tabelle – am kommenden Freitag soll der Neue aus Deutschland bereits gegen Villeurbanne zum Einsatz kommen. „Ich soll mich gleich bereithalten, hat mir der Coach geschrieben“, sagte Pleiss. Und es passt zu dieser Geschichte, dass er ihn gut kennt: Unter Ergin Ataman verbrachte er ertragreiche und für ihn prägende Jahre in Istanbul. Sechs Jahre spielte er bei Efes – eine ungewöhnlich lange Etappe im Hire&Fire-Geschäft des europäischen Basketballs. Dass die Griechen von Panathinkaikos Pleiss holen, hat konkrete personelle Gründe: Ihr eigentlich als erster Center eingeplanter Franzose Mathias Lessort hat sich das Wadenbein gebrochen, auch sein Ersatz Ömer Yurtseven fällt mit einer Knieverletzung aus.
Pleiss wird also reichlich Einsatzzeit bekommen, er soll seine Größe einbringen, unter dem Korb aufräumen, aber auch sein feines Wurfhändchen einsetzen, um das Spiel breiter zu machen. „Bis gestern wusste ich nicht mal, dass ich wechsle, aber gebt mir etwas Zeit, dann wird das schon“, findet er. So beginnt für ihn noch einmal ein Abenteuer, an das er wohl selbst nicht mehr so ganz geglaubt hatte.