Für den Drittligisten Arminia Bielefeld ist es am Dienstagabend in einem einzigen Fußballspiel um die Gewinnsumme von 3,35 Millionen Euro gegangen. Das ist für einen Klub, dem ein Saisonetat von sieben Millionen Euro nachgesagt wird, ein atemberaubender Betrag. Zum Vergleich: In der Gruppenphase der Champions League (an der Bielefeld nicht teilnimmt, noch nie) gab es diese Saison pro Sieg 2,1 Millionen Euro zu verdienen.
Es war also ein ganz besonderes Spiel für die Arminen, dieses Viertelfinale im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten Werder Bremen. Auch für die Bremer ging es um die vom Deutschen Fußball-Bund ausgelobte Prämie von 3,35 Millionen Euro für den Halbfinal-Einzug, auch für Werder wäre das viel Geld gewesen – aber sie bekommen es nicht. Die Aussicht auf Geld und Ruhm haben den Pokalschreck Arminia im vierten Spiel dieses Wettbewerbs doch tatsächlich zum vierten Mal zu einem überraschenden Heimsieg gegen einen klassenhöheren Klub angetrieben.
Das 2:1 (2:0) gegen Bremen war sogar schon der dritte Pokaltriumph nacheinander gegen einen Bundesligisten. Zweitligist Hannover 96 sowie Union Berlin, SC Freiburg und Werder Bremen – so lautet die Reihe der Bielefelder Pokal-Opfer. „Ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte Torschütze Marius Wörl.
Werder schafft nur noch den Anschlusstreffer
Alles war angerichtet für eine große Pokalschlacht am Teutoburger Wald. Rustikal auftretende Bremer dominierten die erste halbe Stunde, erlitten dann aber eine Serie schmerzhafter Nadelstiche: Stürmer Marvin Ducksch griff sich an den Oberschenkel und musste raus (30.), Flügelmann Mitchell Weiser sah belastendes Gelb nach einem taktischen Foul (31.) und Torwart Michael Zetterer wäre wie aus dem Nichts nach einer Großchance des Bielefelders Joel Felix beinahe erstmals überwunden gewesen (34.). Die Bremer waren perplex vom plötzlichen Umschwung. Das Spiel änderte sich komplett, aber daran hatte auch Bremens Rechtsverteidiger Julian Malatini entscheidenden Anteil.
In der 35. Minute verlor der seit gut einem Jahr für Werder spielende Argentinier unnötig den Ball an Bielefelds Angreifer Marius Wörl, der ohne lange zu zögern ins Bremer Tor schlenzte und auf der sogenannten Alm für erste Erschütterungen sorgte. Nur sechs Minuten später mauserte sich Malatini zum noch größeren Pechvogel und klärte eine Hereingabe des Arminia-Spielers Stefano Russo unglücklich über den eigenen Torwart hinweg ins eigene Tor (41.). Nun bebte die Alm erst recht.
Drei Minuten nach Wiederanpfiff lief der eingewechselte Bremer Justin Njinmah allein aufs Tor zu, scheiterte aber am Torwart Jonas Kersken. Werder erwachte. In der 56. Minute machte der Joker Oliver Burke für wütende Bremer das Spiel mit dem 1:2 wieder spannend. Eine Verlängerung lag nun in der Luft, doch die Bielefelder brachten die knappe Führung über die Zeit.
Das Wissen darum, dass jetzt nur noch ein einziger Heimsieg zum erstmaligen Einzug ins Pokalfinale fehlt, könnte den Bielefeldern auch im Aufstiegsrennen der dritten Liga eine psychologische Hilfe sein, dort sind sie derzeit Vierter. Am Sonntagabend aber wird gefühlt ganz Ostwestfalen nun erst einmal gespannt auf die Halbfinal-Auslosung.