Vor einer Woche hat das israelische Militär seine Kämpfe im Gazastreifen wieder aufgenommen – aus der Luft und am Boden, mit Angriffen auf viele Orte gleichzeitig und Hunderten Toten. Der Chef der Armee, der dieses harte Vorgehen mitverantwortet, heißt Eyal Zamir und ist erst seit wenigen Wochen im Amt. Zamir ist der Nachfolger von Herzi Halevi, der infolge der Angriffe auf Israel am 7. Oktober 2023 zurücktrat. An jenem Tag starben mehr als 1200 Menschen bei einem Überfall von Terroristen der Hamas aus Gaza, mehr als 250 wurden entführt. Die israelische Armee war auf einen Angriff dieses Ausmaßes nicht vorbereitet gewesen. In den angegriffenen Orten im Süden des Landes warteten Menschen, die sich in ihren Häusern und Schutzräumen versteckt hatten, stundenlang auf Rettung.
Israel ist ein militarisiertes Land, Frauen und Männer dienen, die Armee ist ein verbindendes Element der Gesellschaft, und das Vertrauen in dessen Stärke war immer groß. Dass die Streitkräfte ihre Bürger an jenem Oktobertag nicht schützen konnten, war ein Schock. Das Militär räumte schließlich sein eigenes Versagen ein, Halevi ging.
Er gilt als einer der Vertrauten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu
Eyal Zamir war vor seiner Berufung zum Generalstabschef der ranghöchste Beamte im Verteidigungsministerium. Aber er diente auch schon Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als Militärsekretär, heute gilt er als einer der Vertrauten des Regierungschefs. Zamir ist 59 Jahre alt und ein Mann, dessen Leben im Zeichen des Militärs steht. Bereits sein Vater war Berufssoldat, er selbst besuchte eine Militärakademie, dient seit 38 Jahren in der Armee. Zamir kämpfte bereits in Libanon, in Gaza und im Westjordanland, führte eine Panzerbrigade und war Stabschef der Bodentruppen. Israelische Medien berichten, dass auch seine Kinder dienen. Sein Sohn habe im aktuellen Gazakrieg gekämpft, und auch seine Tochter habe sich als Reservistin zum Dienst gemeldet.
Seit einer Woche nun führt Zamir die Armee wieder in einen aktiven Krieg an mehreren Fronten. Nachdem Israel die Waffenruhe am Dienstag mit überraschenden Luftschlägen beendet hatte, rückten am Mittwoch auch Bodentruppen nach Gaza ein. Das Militär weitete seine Angriffe Tag für Tag aus, zuletzt griff es das Nasser-Krankenhaus in der Stadt Chan Yunis an. Ziel sei ein wichtiges Hamas-Mitglied gewesen, das dort aktiv gewesen sei, hieß es danach. Auch an der Grenze zu Libanon gibt es wieder Kämpfe mit der Hisbollah, genauso wie im Westjordanland, wo Soldatinnen und Soldaten in einzelnen Städten verstärkt gegen Terroristen vorgehen.
Offenbar ist auch eine vollständige Besetzung des Gazastreifens wieder eine Option
Dass Zamir den Krieg aggressiver führen würde als sein Vorgänger, war von ihm erwartet worden, ja erwünscht. Kurz nach seinem Amtsantritt sagte er: „Von nun an gibt es nur noch eine Richtung: den Sieg.“ Auch die Regierung hatte zuletzt ihre Tonlage verschärft. Netanjahu hatte Zamirs Fähigkeit gelobt, zwischen Armee und Politik zu vermitteln.
Noch während der Waffenruhe in Gaza und der Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas über eine Freilassung der Geiseln und einen möglichen Abzug der Truppen aus dem Küstenstreifen war Zamir zu den verschiedenen Einsatzorten der Armee gereist. Berichten zufolge besuchte er Gaza, die umkämpfte Stadt Dschenin im Westjordanland und die libanesische Grenze, um dort über Pläne für eine Fortsetzung der Kämpfe zu diskutieren. Besonders wichtig seien ihm demnach offensivere Strategien gewesen. Mittlerweile, so berichtet es die Washington Post, würden Militär und Politik in Israel eine vollständige Besetzung des Gazastreifens ins Auge fassen – jedenfalls dann, wenn die Verhandlungen mit der Hamas zu keinem Ergebnis kommen. Diese umstrittene Strategie würde für das Militär einen enormen personellen Aufwand bedeuten. Eyal Zamir jedenfalls würde sich diesem Vorhaben wohl nicht entgegenstellen.