Der inhaftierte PKK-Anführer Abdullah Öcalan ruft seine kurdische Arbeiterpartei dazu auf, den bewaffneten Kampf in der Türkei zu beenden und sich aufzulösen. In einer von der prokurdischen Dem-Partei verlesenen Erklärung Öcalans hieß es, alle Gruppen müssten ihre Waffen niederlegen und sich auflösen. Zuvor hatte eine Delegation der Partei ihn im Gefängnis auf der Insel İmralı besucht. Die in der Türkei verbotene PKK kämpft seit mehr als 40 Jahren gegen den türkischen Staat, mehr als 40 000 Menschen sind dem Konflikt zum Opfer gefallen.
Öcalans Aufruf könnte den Auftakt zu Verhandlungen bilden. Eine Erklärung zur Beendigung des Konflikts wurde seit Wochen erwartet. Vorsichtige Hoffnung auf einen neuen Friedensprozess hatte der Regierungspartner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan im Oktober geweckt: Der Chef der ultranationalistischen Partei MHP, Devlet Bahçeli, bisher eigentlich ausgesprochener Gegner einer Aussöhnung mit der PKK, brachte eine an weitere Voraussetzungen geknüpfte Freilassung Öcalans ins Spiel, wenn die PKK die Waffen niederlegen und sich auflösen sollte.
Öcalans Erklärung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Türkei und die USA über die Zukunft der kurdischen Kräfte in Syrien nach dem Sturz von Präsident Baschar al-Assad verhandeln. Erdoğan möchte, dass die YPG, syrische Kurdenmilizen, denen auch PKK-nahe Kämpfer angehören, aufgelöst werden. Öcalans Aufruf zur Entwaffnung könnte diese Gespräche beeinflussen. Zuletzt wurde 2013 eine Waffenruhe ausgerufen, der Friedensprozess scheiterte aber im Sommer 2015. In der Vergangenheit konzentrierte sich der Kampf der PKK hauptsächlich auf den überwiegend kurdischen Südosten der Türkei, heute liegt der Schwerpunkt im Norden des Irak.
Der 75-Jährige sitzt seit 1999 im Gefängnis, ist aber nach wie vor eine einflussreiche Figur unter kurdischen Kämpfern und Politikern. Er gründete 1978 die PKK, die in den 1990er-Jahren zu einer Guerillatruppe mit mehr als 10 000 Kämpfern heranwuchs. Die Gruppe wird von der Türkei, den USA und der EU als terroristische Organisation eingestuft.