Die Huthi in Jemen haben nach den schweren US-Luftangriffen in der Nacht zum Sonntag Vergeltung angekündigt. „Wir werden auf die Eskalation mit einer Eskalation antworten“, sagte Mohammed al-Bukhaiti, ein hochrangiger Huthi-Führer, der die Angriffe als ungerechtfertigt bezeichnete. Nach Angeben der Huthi sind 31 Menschen ums Leben gekommen, darunter seien viele Frauen und Kinder gewesen.
US-Kampfjets hatten in der Nacht vom Flugzeugträger USS Harry Truman aus Angriffe auf Jemen geflogen, in der Hauptstadt Sanaa wurde der Flughafen getroffen. US-Präsident Donald Trump hatte die Angriffe persönlich angeordnet. „Unsere tapferen Kriegskämpfer führen Luftangriffe auf Basen, Anführer und Raketenabwehrsysteme der Terroristen, um die amerikanische Schifffahrt, Luft- und Seestreitkräfte zu schützen und die Freiheit der Schifffahrt wiederherzustellen“, sagte Trump in einem Social-Media-Post.
Seit 2023 hat die Huthi-Miliz nach Pentagon-Angaben 174 Mal amerikanische Kriegsschiffe und 145 Mal Handelsschiffe angegriffen. Dabei kamen vier Seeleute ums Leben, zwei Schiffe sanken. Die Huthi hatten die Angriffe nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober und dem Gegenangriff der Israelis begonnen, die Gruppe gehört wie die Hamas zur von Teheran gesponsorten sogenannten Achse des Widerstandes, die sich gegen Israel richtet.
Die Gruppe nahm Schiffe an der Einfahrt zum Roten Meer unter Beschuss, die auf dem Weg zum israelischen Hafen Eilat waren oder in den Suezkanal, durch den etwa zwölf Prozent des weltweiten Seehandels führen. Viele Reedereien leiteten ihre Schiffe nach den Angriffen der Huthi um das Horn von Afrika um, was die Container-Preise drastisch steigen ließ und für den ägyptischen Staat als Inhaber des Suezkanals Milliarden-Verluste bedeutete. Die Durchfahrten des Kanals gingen um fast 70 Prozent zurück, Ägypten entgingen etwa sieben Milliarden Dollar Einnahmen. Erst vor wenigen Wochen hatte die Suezkanal-Behörde die Reedereien aufgerufen, die Passage wieder anzusteuern.
Als Israel und die Hamas sich Mitte Januar auf einen Waffenstillstand in Gaza einigten, kündigten auch die Huthi an, vorerst keine Schiffe mehr anzugreifen – ausgenommen solche, die unter israelischer Flagge fahren.
Seither hatte es keine Zwischenfälle gegeben, vor wenigen Tagen aber kündigte die Gruppe an, die Attacken wieder aufnehmen zu wollen, sollte Israel nicht wieder beginnen, Hilfslieferungen in den Gazastreifen zuzulassen. Sollte es zu neuen Angriffen der Huthi kommen, werde „die Hölle über euch hereinbrechen, wie ihr es noch nie zuvor gesehen habt“, schrieb Trump. Eine fast wortgleiche Drohung hatte der US-Präsident bereits Mitte Februar an die Hamas gerichtet, falls sie nicht sofort alle Geiseln freilassen würden, was nicht geschah.
Mit der Hamas verhandeln die USA zum Teil direkt, mit den Huthi gab es seit dem 7. Oktober keine Gespräche. Die Angriffe auf Jemen sollen aus Trumps Sichtweise wohl auch den Druck auf Teheran erhöhen, mit dem Regime der Mullahs in Teheran will der Präsident bald über dessen Atomprogramm verhandeln. Wie in seiner ersten Amtszeit setzt er auf maximalen Druck, hat bereits die Sanktionen verschärft und greift nun auch die mit Iran verbündeten Huthi an. Die allein aus der Luft zu besiegen, wird aber wohl nicht möglich sein, auch Nachbar Saudi-Arabien hatte im jemenitischen Bürgerkrieg gegen die Gruppe gekämpft, mit eigenen Soldaten und Tausenden Söldnern aus dem Sudan. Gewinnen konnten sie nicht gegen die Huthi, die offenbar auch mit Moskau paktierten. Die Russen sollen die Satellitendaten für die Angriffe auf die Schiffe geliefert haben, die Huthi als Zeichen der Dankbarkeit Söldner für den Krieg gegen die Ukraine geschickt haben. Nach einem Bericht der Financial Times werben Firmen der Huthi in Jemen Arbeiter für den Einsatz in Russland an. Dass sie dort kämpfen sollen, würden viele erst vor Ort erfahren.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte die USA am Wochenende auf, die Angriffe einzustellen. Und Hussein Salami, der Befehlshaber der iranischen Revolutionsgarde, sagte: „Wir warnen unsere Feinde, dass Iran entschlossen und zerstörerisch reagieren wird, wenn sie ihre Drohungen in die Tat umsetzen.“