Die Deutsche Bank hatte 2024 zwar mit hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen und erwirtschaftete weniger Gewinn als erwartet – für die Mitarbeiter im Investmentbanking und den Konzernvorstand allerdings gab es 2024 trotzdem ein ordentliches Gehaltsplus. Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing kann für das abgelaufene Jahr mit einer Vergütung von fast zehn Millionen Euro rechnen. Der Aufsichtsrat billigte ihm eine Gesamtvergütung von 9,75 Millionen Euro zu, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Das wäre eine Million mehr als 2023. Ein Teil dieser Summen wird erst mit Zeitverzug abhängig vom Geschäftserfolg ausgezahlt. Bei langfristigen Boni, deren genaue Höhe erst 2026 endgültig festgelegt wird, wurde nach Angaben der Bank in den Zahlen für 2024 unterstellt, dass die gesetzten Ziele zu 100 Prozent erreicht werden.
Die zehn Vorstände der Deutschen Bank kommen für das Geschäftsjahr 2024 in Summe auf eine Vergütung von rund 68,1 Millionen Euro. Der Bonuspool für die Mitarbeiter stieg ebenfalls deutlich von 1,9 Milliarden Euro im Vorjahr auf 2,5 Milliarden Euro und damit auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Auch gab es in der Bank mit 647 deutlich mehr Einkommensmillionäre, also Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mehr als eine Million Euro im Jahr erhalten, im Vorjahr waren es 505. Die Aktionäre erhalten hingegen eine Dividende von „nur“ 2,1 Milliarden Euro. Der Nettogewinn sank im Vergleich zu 2023 um 36 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, wie das Geldhaus bereits im Januar berichtet hatte. Die Deutsche Bank hat insgesamt rund 90 000 Mitarbeiter.
Es gibt Mitarbeiter, die nicht genannt werden, die aber mehr als Sewing erhalten
Bemerkenswert: Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter unterhalb des Vorstands verdiente zwischen 17 und 17,9 Millionen Euro – das ist so viel wie noch nie, seit die Bank diese Zahlen veröffentlichen muss. Außerdem kassierten zwei zweitere Mitarbeiter mehr als zehn Millionen Euro und damit mehr als Vorstandschef Sewing. Wer diese Mitarbeiter sind, wofür sie verantwortlich waren und welche Risiken sie mit ihren Geschäften eingehen, dazu äußert sich die Bank traditionell nicht. Teilweise werden Boni zwar später ausgezahlt oder können im Extremfall zurückgefordert werden. Das allerdings kommt kaum vor. Seit einigen Jahren sehen es die Vergütungsregeln für die Finanzbranche vor, dass Banken derlei Informationen veröffentlichen müssen.
Der Anstieg der Boni dieses Jahr sei hauptsächlich auf die „starke Leistung“ der Investmentbank zurückzuführen, hieß es im Geschäftsbericht. Tatsächlich hat die Sparte den Vorsteuergewinn um 78 Prozent gesteigert – unter dem Strich verdienten die Banker dort dennoch nur eine Eigenkapitalrendite von 9,1 Prozent, während im Konzern sogar nur eine äußerst überschaubare Rendite von 4,7 Prozent erreicht wurde. Einer rekordverdächtigen Vergütung stand das traditionell nicht im Wege.

Meinung
Autoindustrie
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VW kriegt die Krise und der Chef zehn Millionen Euro? Das ist nicht vermittelbar
Ähnlich wie in anderen Konzernen: Auch Volkswagen-Chef Oliver Blume kann sich trotz der Krise über mehr Geld freuen. Für 2024 stieg die Vergütung Blumes um 6,6 Prozent auf 10,35 Millionen Euro, sein Vorgänger Herbert Diess sogar noch mehr, wie diese Woche aus dem Vergütungsbericht hervorging. Mit Blick auf die Zahl der Einkommensmillionäre in der Belegschaft ist die Deutsche Bank jedoch seit jeher einsamen Spitze unter den Dax-Konzernen und hängt damit stets auch andere europäische Großbanken ab, wo in der Regel strenger auf die Kosten und Effizienz geachtet wird als in den Frankfurter Doppeltürmen.
Im Vorstand musste allein Rechtsvorstand Stefan Simon ein kleines Gehaltsminus hinnehmen: Seine Gesamtvergütung sank von 6,1 auf 5,9 Millionen Euro. Simon ist in der ersten Führungsriege für Rechtsfragen und das Amerikageschäft zuständig. Grund für den leichten Abschlag sind dem Vernehmen nach die hohen Rechtskosten und das Postbank-Debakel. Die Bank hatte sich jahrelang einen Streit mit früheren Postbank-Minderheitsaktionären geliefert und musste ihnen schließlich 900 Millionen Euro zahlen. Bis vergangenes Frühjahr hatte die Deutsche-Bank-Führung noch vehement behauptet, sie habe in dem Rechtsstreit eindeutig die besseren Karten und daher noch nicht einmal eine Rückstellung gebildet. Als ein Gerichtsurteil die Führungsriege dazu plötzlich eines Besseren belehrte, stürzte der Aktienkurs an einem Tag um rund neun Prozent ab. In der Folge musste die Bank einen teuren Vergleich aushandeln, der ihr auch das Jahresergebnis 2024 verdarb.