Aktuell jung zu sein, ist, um Worte zu wählen, die noch gedruckt werden können, ziemlich deprimierend. Das Weltgeschehen hat sich alle Mühe gegeben, einem mit einer nicht enden wollenden Dauerkrise die vermeintlich beste Zeit seines Lebens möglichst effektiv zu vermiesen. Sei es das globale Erstarken rechter Kräfte, die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten, die Energie- und Inflationskrise oder – brandaktuell – das Zerbrechen der bestehenden Weltordnung, mit freundlichen Grüßen aus Washington. Und nicht zu vergessen der Umstand, dass die Welt sehenden Auges in die Klimakatastrophe gesteuert wird.
Kein Wunder also, dass der Blick vieler junger Menschen auf die Zukunft so negativ ist wie noch nie. Denn während junge Menschen von all diesen Krisen in besonderem Maße betroffen sind, werden sie in den politischen Lösungen wenig bis gar nicht bedacht. Wenn man aber keine Generation sozial und ökonomisch abgeschlagener Pessimisten heranziehen will, braucht es Perspektiven für junge Menschen. Das Versprechen, dass eine gute Zukunft möglich ist und sie ihr Leben durch ihr eigenes Handeln verbessern können.
Schaut man sich die Sorgen dieser jungen Menschen einmal an, dominieren, neben Krieg und Klima, vor allem wirtschaftliche Zukunftsängste das Bild: Angst vor sozialem Abstieg, vor einer Verschärfung der Situation am Wohnungsmarkt, vor Altersarmut und dem Zusammenbruch des Rentensystems. Aber anstatt sich diesen Sorgen zu widmen, wurde im Wahlkampf lieber endlos besprochen, wer denn jetzt am effektivsten abschieben kann und will. Danke für nichts an dieser Stelle.
Das alte Aufstiegsversprechen funktioniert nicht mehr
Dabei sind all diese Sorgen mehr als berechtigt und mehr als drängend. Das Rentensystem ist angesichts des demografischen Wandels nicht in der Lage, kommenden Generationen einen angemessenen Schutz vor Altersarmut zu bieten. Der Mietmarkt sorgt dafür, dass unter den 70 Prozent der Gen Z, die zur Miete wohnen, viele mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für ihre Wohnkosten aufbringen müssen. Davon, dass der Traum vom Eigenheim angesichts der Immobilienpreissteigerungen eine ewige Utopie bleiben wird, ganz zu schweigen.
Und auch in puncto Aufstiegschancen gelten die alten Versprechen – Bildung ist gleich Aufstieg und Leistung ist gleich Aufstieg – nicht mehr. So haben zwar heute mehr junge Menschen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern und als das noch vor zehn Jahren der Fall war, auch die Erwerbstätigenquote junger Menschen ist gestiegen – aber gleichzeitig eben auch die Einkommensungleichheit und die Armutsquote. Bei den unter 25-Jährigen ist inzwischen jeder vierte armutsgefährdet. Aus dem Traum vom Aufstieg wurde die Angst vorm Abstieg.
All das sind Probleme, deren Entstehung der Rückbau des Sozialstaats befeuert und deren Eindämmung der freie Markt nicht geliefert hat. Deshalb ist es Zeit zu erkennen: Es braucht eine Erhöhung der staatlichen Rente und starke sozialpolitische Netze. Es braucht einen Mietdeckel bei gleichzeitiger Erhöhung der Bauförderung. Es braucht eine Förderung von Ausbildungsberufen, insbesondere im Handwerk und den sozialen Bereichen, und mehr Unterstützung für Studierende und Auszubildende. Es braucht ein strikteres Vorgehen im Kampf gegen den Klimawandel. Kurzum: Es braucht ein Signal für die junge Generation, dass auch ihre wirtschaftlichen Sorgen und Ängste ernst genommen werde. Dass es Hoffnung gibt. Dass sie ihr Heil nicht in den leeren Versprechungen der Populisten suchen müssen.
All diese Maßnahmen wären kostspielig, keine Frage. Aber sie wären nicht nur eine Investition in die Zukunft einer ganzen Generation, sondern auch in die Zukunft unserer Wirtschaft und Demokratie. Und so, wie es aktuell erscheint – 500 Milliarden Anzeichen sprechen dafür –, sitzt das Geld bei der möglichen künftigen Regierung ja lockerer, als man noch vor ein paar Wochen hätte erwarten können. Dann kann doch auch etwas für die Jungen drin sein. Also, los: Gebt uns Investitionen. Gebt uns ein Sondervermögen Zukunft. Gebt uns ein Versprechen.