Im Oktober 2012 hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eine der sonderlichsten Niederlagen ihrer Geschichte erlebt. Zu den Sonderlichkeiten dieser Niederlage gehörte auch, dass die Deutschen den Rasen des Berliner Olympiastadions gar nicht als Verlierer verlassen hatten. Ihr WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden war 4:4 zu Ende gegangen.
Aber das Unentschieden fühlte sich wie eine Niederlage an, weil die Deutschen zu Beginn der zweiten Halbzeit bereits mit 4:0 geführt hatten, weil sie ihrem Gegner bis dahin klar überlegen waren und ihn in allen Belangen beherrscht hatten.
So ähnlich war es auch am Sonntagabend in Dortmund, als die Nationalmannschaft auf Italien traf. Die erste Hälfte war eine Demonstration ihrer Stärke gewesen. Die Italiener, sonst fast immer die coolsten Jungs auf dem Schulhof, wussten gar nicht, wo ihnen der Kopf stand – so überlegen waren die Deutschen.
Zur Pause hieß es 3:0, und das war für die Italiener noch schmeichelhaft. So wie es am Ende für die Deutschen schmeichelhaft war, dass sie wenigstens das 3:3-Unentschieden über die Zeit retten konnten. Es reichte immerhin zur erstmaligen Qualifikation für das Final-Four-Turnier in der Nations League.
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Stefan Hermanns ist Sportredakteur beim Tagesspiegel und berichtet seit fast 25 Jahren über die deutsche Nationalmannschaft. Er war auch beim 4:4 gegen Schweden im Stadion.
Julian Nagelsmann, dem Bundestrainer, bleiben daher vermutlich die Debatten erspart, die sein Vorvorgänger Löw nach dem 4:4 gegen die Schweden ertragen musste. Denn das Spiel damals stand nicht für sich allein. Es fügte sich in die Zeit, die für Löw ohnehin keine gute war – nachdem er wenige Monate zuvor das Halbfinale der EM 2012 gegen Italien vercoacht hatte.
Mit ihm als Bundestrainer, so lautete damals die öffentliche Meinung, werden die Deutschen wohl nie und nimmer einen großen Titel gewinnen. Knapp zwei Jahre später wurde die Nationalmannschaft Weltmeister. Mit Löw als Bundestrainer.
Im Nachhinein war das 4:4-Debakel gegen die Schweden ein Meilenstein in der Entwicklung jener Mannschaft – weil es den vielen hochbegabten Spielern im Kader noch einmal eindrücklich vor Augen führte, dass Erfolg nicht allein mit Leichtfüßigkeit zu erzielen ist.
Insofern kann das 3:3 gegen Italien auch für die aktuelle Nationalmannschaft und ihren Bundestrainer eine heilsame Wirkung entfalten. „Für unsere Entwicklung ist es besser, als wenn wir 4:0 gewonnen hätten“, sagte Julian Nagelsmann. „So haben wir zwei Erkenntnisse: dass das Spiel richtig gut war; dass das Spiel aber auch nie vorbei ist und wir in beiden Halbzeiten das Gleiche investieren müssen.“
Nagelsmann hat das Siegenlernen für seine Mannschaft ganz oben auf die Agenda gesetzt. Das Spiel gegen Italien hat ihr, aber auch ihm, noch einmal vor Augen geführt, wie viel dafür notwendig ist. Unter anderem Konzentration bis zum letzten Moment.
Joachim Löw ist in dem für ihn so ungemütlichen Herbst des Jahres 2012 zu einer entscheidenden Erkenntnis gelangt: In der Etappe kann man so viele Siege einfahren, wie man will. Am Ende kommt es immer nur auf den letzten an.