Vor ziemlich genau einem Jahr kamen zwei Meldungen auf den Markt, die behaupteten, sich nicht abgesprochen zu haben. Das Gegenteil hat man ihnen bis heute nicht nachweisen können, es könnte also tatsächlich Zufall gewesen sein. Jedenfalls gab der VfB Stuttgart im März 2024 bekannt, den Vertrag mit dem Trainer Sebastian Hoeneß bis 2027 verlängert zu haben; nahezu zeitgleich meldete der FC St. Pauli die Ausdehnung des Arbeitsverhältnisses mit dem Trainer Fabian Hürzeler. Für sich genommen war jede der beiden Verlautbarungen interessant, aber ein großes Ganzes ergaben sie erst, wenn man sie zusammenlas: Hoeneß hatte bis dahin als heißer Kandidat für eine mögliche Nachfolge von Xabi Alonso in Leverkusen gegolten; als Favorit auf eine mögliche Hoeneß-Nachfolge in Stuttgart wurde wiederum Hürzeler gehandelt. An diesem Tag im März 2024 kam das gerade erst losgezuckelte Trainerkarussell mit einem Doppelwumms zum Stehen.
Im März 2025 hat der VfB Stuttgart die nächste Hausmitteilung veröffentlicht. Bei der Mitgliederversammlung am Samstag wurden nicht nur diverse Rekordergebnisse verkündet (Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr: 299,8 Millionen Euro, Gewinn: 15,4 Millionen). Das Beste am Tag war eine Botschaft von der Videowand. Trainer Sebastian Hoeneß verkündete, seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2028 verlängert zu haben – und weil’s grad so harmonisch war, schob AG-Boss Alexander Wehrle noch ein Detail aus dem Kleingedruckten hinterher: Der neue Kontrakt enthalte keine Ausstiegsklausel mehr.
So überraschend der Zeitpunkt dieser Bekanntmachung war, so schlüssig fügt er sich in die innerbetriebliche Logik. Die Trainerdebatte wird also verstummt sein, wenn der VfB am 2. April RB Leipzig im Halbfinale des DFB-Pokals empfängt – jenen Gegner, dessen Trainer Marco Rose gerade notorisch hinterfragt wird, gerne garniert mit der Zusatzbemerkung, dass Sebastian Hoeneß der bevorzugte Nachfolgekandidat sei. Diese Spekulation wird dieses Spiel nun nicht mehr belasten.
Der VfB orientiert sich fürs Erste am Weg von Eintracht Frankfurt
Was das Bekennerschreiben des Trainers Hoeneß am Ende wert sein wird, werden sie beim VfB aber erst noch herausfinden müssen. Der Trainer Hürzeler jedenfalls hat St. Pauli im vorigen Sommer trotz der schönen Vertragsverlängerung umgehend verlassen, eine ähnliche Dramatik befürchten sie in Stuttgart aber erst mal nicht. Zumindest für die kommende Saison glauben sie sich ihres Trainers sicher zu sein. „Wir wollen dauerhaft den Anspruch erheben können, mit dem VfB im internationalen Wettbewerb vertreten zu sein“, teilte Hoeneß von der Leinwand herunter mit und verband das mit dem kleinen Hinweis, die Mannschaft weiterzuentwickeln und „zu verstärken“.
Wer mag, kann diese Vertragsverlängerung als Botschaft nach außen lesen (Finger weg von unserem Trainer!), aber vor allem ist sie ein Signal nach innen. Unabhängig vom Verlauf der aktuellen Saison soll die Hoeneß-Nachricht eine Wendemarke in der jüngeren Vereinsgeschichte dokumentieren. Der VfB möchte nicht mehr der Klub sein, der zwischen zweiter und erster Liga pendelt; das klare Ziel ist es, wieder die Selbstverständlichkeit eines ambitionierten Traditionsklubs auszustrahlen, gerne orientiert am Weg des nächsten Ligagegners. Am Samstag geht es zu Eintracht Frankfurt.