Bayer 04 Leverkusen - SV Werder Bremen 0:2 (0:1), Tore: 0:1 Romano Schmid (7.), 0:2 Justin Njinmah (90.+4)
Zuletzt gab es bei Bayer Leverkusen Diskussionen um Mittelstürmer Patrik Schick, der von Trainer Xabi Alonso deutlich seltener eingesetzt wird, als er es sich wünscht. Diesmal durfte Schick gegen Werder Bremen von Anfang an spielen, was allerdings nicht viel zu bedeuten hatte: Nach dem so kräftezehrenden wie zermürbenden 0:3 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Bayern hatte Alonso die Mannschaft auf sieben Positionen verändert. Auch Werder war zuletzt schwer gebeutelt, zu vier Bundesliga-Niederlagen in Serie gesellte sich auch noch das DFB-Pokal-Aus beim Drittligisten Bielefeld. Letztlich endete das Treffen der Frustrierten überraschend: mit einem 2:0-Sieg der Bremer.
Der SV Werder ging schon in der siebten Minute in Führung, nach einem Fehlpass von Mario Hermoso landete der Ball über André Silva und Jens Stage bei Romano Schmid, der fein mit dem Außenrist traf. Danach standen die Bremer defensiv stabil, Leverkusen kam kaum zu Chancen – bis zur Nachspielzeit der ersten Hälfte, als Aleix García die Querlatte traf. Zur Halbzeit wechselte Alonso drei Mal – unter anderem kam Florian Wirtz, der allerdings nach nur zehn Minuten nach einem üblen Foul von Mitchell Weiser in die Kabine humpelte.
Wirtz verließ später an Krücken das Stadion und wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gefahren. „Er wird weiter untersucht. Da will ich nicht spekulieren“, sagte Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes. Auch Trainer Xabi Alonso hielt sich mit einer Prognose zurück: „Wir haben noch keine Ergebnisse, das müssen wir abwarten.“
Schick indes hatte keine Bindung zum Spiel, lange keine Torchance und wandelte am Rande einer gelb-roten Karte. Dann ergab sich für den Stürmer in der 70. Minute plötzlich doch die Chance zum Ausgleich, er verpasste die Flanke von Amine Adli aber knapp. Insgesamt häuften sich die Leverkusener Chancen im Laufe der zweiten Hälfte, Exequiel Palacios scheiterte zwei Mal an Werders Keeper Michael Zetterer. Ein Tor gelang Bayer aber nicht, stattdessen traf Justin Njinmah in der Nachspielzeit noch zum 0:2 – Fazit: Bayern-Ausrutscher nicht genutzt, und vermutlich die letzte Chance auf die Meisterschaft liegengelassen.
Borussia Dortmund - FC Augsburg 0:1 (0:1), Tor: 0:1 Jeffrey Gouweleeuw (23.)
Das Heimspiel gegen den FCA zeigte exemplarisch, wie fragil das BVB-Konstrukt unter Niko Kovac noch immer ist. Die Dortmunder hatten eigentlich wie zu erwarten alles Griff, schlugen Flanke um Flanke, Eckball um Eckball in den gegnerischen Strafraum – doch das Tor machten Mitte der ersten Halbzeit die Augsburger, aus dem so oft zitierten Nichts: Ein langer Freistoß vom Ex-Dortmunder Marius Wolf segelte am zweiten Pfosten zu Jeffrey Gouweleeuw, und dessen Kopfball wiederum als Bogenlampe über Gregor Kobel hinweg ins Tor.
Fünf Minuten nach der Pause jubelte der BVB dann kurz, doch der vermeintliche Ausgleich von Julian Brandt zählte wegen hauchzarter Abseitsstellung nicht. Gleiches Spiel kurz darauf auf der anderen Seite: Nach Meinung des Schiedsrichtergespanns um Deniz Aytekin sperrte ein Augsburger bei einer Freistoßflanke seinen Gegenspieler aus dem Abseits heraus, sodass auch das stramme Eigentor von Salih Özcan im Anschluss aberkannt wurde. Die Überprüfung der Szene durch den VAR dauerte fast fünf (!) Minuten.
Die Schwarz-Gelben drückten mit viel Willen auf den Ausgleich, doch es mangelte an klaren Chancen, sodass entweder wenige Zentimeter fehlten, oder FCA-Torwart Finn Dahmen parieren konnte. Die Augsburger ließen selbst mehrere exzellente Kontergelegenheiten gegen aufgerückte Dortmunder kläglich liegen, aber auch das nutzte der BVB nicht.
Holstein Kiel - VfB Stuttgart 2:2 (1:1), Tore: 0:1 Jamie Leweling (15.), 1:1 und 2:1 Steven Skrzybski (31., 46.), 2:2 Ermedin Demirovic (55.), Besondere Vorkommnisse: Rot für Leonidas Stergiou (52.)
Raus aus der Ergebniskrise, hieß das VfB-Motto – zur Not mit Gewalt: Und so drosch Außenstürmer Jamie Leweling den Ball aus spitzem Winkel mit so viel Karacho aufs Tor, dass Timon Weiner seine Arme nicht rechtzeitig sortiert bekam. Besonders glücklich sah der Kieler Torwart in der Situation nicht aus. Den Stuttgartern brachte die Führung keine Sicherheit. Ein langer Einwurf und ein gewonnenes Kopfballduell reichte, damit Steven Skrzybski im Strafraum blitzeblank ausgleichen konnte.
Gerade einmal acht Sekunden war der zweite Durchgang alt, ehe jener Skrzybski mit einem Fernschuss die Partie drehte. Der Kieler hatte es aus unmöglicher Position einfach auf gut Glück versucht, und Alexander Nübel im VfB-Tor überrascht. Für die Stuttgarter kam es kurz darauf noch dicker: Aushilfsinnenverteidiger Leonidas Stergiou (dem VfB fehlten sechs Innenverteidiger verletzt oder gesperrt) verstolperte den Ball, fällte Skrzybski als letzter Mann und sah glatt Rot. Doch wieder folgte das Unvermutete: In Unterzahl kamen die Stuttgarter zum schnellen Ausgleich. Der eingewechselte Ermedin Demirovic erstocherten einen lang geschlagenen Ball und schob kurz darauf zum 2:2 ein. In der letzten halben Stunde war Kiel mit einem Mann mehr zwar aktiver und torgefährlicher, zum Heimsieg reichte das aber nicht.
VfL Wolfsburg - FC St. Pauli 1:1 (0:1), Tore: 0:1 Siebe Van der Heyden (38.), 1:1 Mohamed Amoura (70., Foulelfmeter)
Die vergangenen vier Spiele hatte der FC St. Pauli allesamt verloren und dabei keinen einzigen Treffer geschossen, und beim vorangegangenen 1:1 gegen Augsburg hatte der Gegner ein Eigentor beigesteuert. Es waren also acht Stunden Bundesligafußball ohne ein selbst erzieltes Tor, die die Hamburger im Gastspiel beim VfL Wolfsburg in der 38. Minute beendeten. Nach einem Eckstoß legte Jackson Irvine den Ball per Kopf quer auf Verteidiger Siebe Van der Heyden, der aus einem Meter keine Mühe mehr hatte – ein in der Entstehung nicht allzu spektakulärer, aber statistisch phänomenaler Treffer.
Und, was man zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehen konnte, ein wertvoller: Am Ende stand für St. Pauli immerhin ein 1:1 und ein Auswärtszähler im Abstiegskampf. Mohammed Amoura traf per Foulelfmeter, den Van der Heyden verursacht hatte, zum 1:1 für die Wolfsburger (70.). Acht Minuten später scheiterte Amoura aber an St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj, der sich noch ein weiteres Mal gegen Jakub Kaminski auszeichnete (87.). So blieb es beim Remis, der Vorsprung der Hamburger auf den Relegationsplatz schmolz durch Bochums Überraschungscoup in München dennoch auf zwei Punkte.