Nathalie Armbruster saß am Ende auf einer Stange der Stahlgerüst-Tribüne im Skizentrum Granasan bei Trondheim – und ließ sich trösten. Ihr Freund war da, die Eltern, es gab innige Umarmungen nach ihrem WM-Auftakt. Tränen sah man aber nicht bei der 19-jährigen Abiturientin aus dem Schwarzwald. Sie wirkte sehr klar nach dem Massenstart und dem Springen in der Nordischen Kombiation, zugleich hatte sie eine große Enttäuschung zu verkraften. Denn Armbruster war als Weltcup-Führende und Mitfavoritin in den Wettkampf gegangen, doch es wurde nur der sechste Platz, noch hinter ihrer Teamkollegin Jenny Nowak, die als Fünfte ihr bestes WM-Ergebnis einfuhr. Gold ging vor rund 2000 Fans, die im abendlichen Flutlicht ausharrten, an die Japanerin Yuna Kasai, deren Zwillingsschwester Haruka Dritte wurde. Dazwischen holte Titelverteidigerin Gyda Westvold Hansen aus Norwegen Silber.
„Es war ein bisschen viel Brechstange, ein bisschen viel Gewalt dabei“, sagte Armbruster: „Aber wenn man hier als Mitfavoritin anreist, ist der Druck doch ein anderer.“ Nach dem Fünf-Kilometer-Langlauf lag sie noch aussichtsreich auf Platz vier, doch dann hatte sie auf der Normalschanze Timingprobleme. „Nathalie war leider einen Ticken früh am Tisch heute. Das hat es dann ausgemacht“, sagte Bundestrainer Florian Aichinger.
Auf Armbruster war viel eingeprasselt in den vergangenen Wochen, die junge Frau aus Kniebis war im ZDF-Sportstudio, sie kommt mit ihrer offenen Art gut an in der Öffentlichkeit. Zugleich muss sie das Training in der Loipe und auf der Schanze mit der Schule in Einklang bringen, was nicht einfach ist. Denn Armbruster geht auf ein normales Gymnasium in Freudenstadt. Vielleicht war dann alles doch ein wenig viel für eine der großen deutschen Medaillenhoffnungen – in einem Wettbewerb, der erstmals im WM-Programm der Frauen war. Aber Trost könnte es bereits an diesem Freitag geben, im Mixed-Team, wo das DSV-Quartett um Armbruster und Vinzenz Geiger zu den Gold-Anwärtern zählt.

Eines wollte Armbruster am Ende aber auch noch ansprechen. Dass das ZDF den WM-Wettkampf in Trondheim nicht live im Fernsehen zeigte, sondern nur im Internet-Stream, „das macht uns schon ein bisschen traurig“. Armbruster hatte beim Mittagessen von der Entscheidung erfahren. „Es ist eine WM, und es kam ‚Bares für Rares‘. Nichts gegen Horst Lichter, aber es wäre schon toll, wenn man uns live übertragen hätte“, sagte die WM-Zweite von 2023: „Wir würden uns noch mehr wünschen, dass es auch im Medialen einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung gehen könnte.“
Vor dem Hintergrund, dass die Frauen-Kombination bei den Olympischen Winterspielen 2026 gar nicht im Programm ist und derzeit um die Aufnahme für Olympia 2030 kämpft, ist ihr Ärger nachvollziehbar. Andererseits übertragen ARD und ZDF mehr als 300 Stunden nordischen Skisport pro Saison. „In der Quantität ist alles gut“, sagte dazu DSV-Vorstand Stefan Schwarzbach, der sich aber „ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl“ erhofft, „vor allem, wenn eine Medaillenchance besteht“.