Mitte Februar sprach Max Eberl in seiner Rolle als Sportvorstand des FC Bayern noch davon, dass er sich in guten Vertragsgesprächen mit Joshua Kimmich befinde. Damals hoffte Eberl, „dass wir das über die Ziellinie bringen.“ Schließlich hatte man es kurz zuvor auch geschafft, die Verträge von Manuel Neuer, Alphonso Davies und Jamal Musiala zu verlängern.
Nur wenige Tage später sieht die Welt in München schon ganz anders aus. Der Tabellenerste der Fußball-Bundesliga soll laut Medienberichten sein Angebot einer Verlängerung bis 2028 zurückgezogen haben. Es gibt Experten, die das als eine Art Vertrauensbruch bewerten, andere als starkes Signal des Vereins. „Das ist ein Zeichen, dass sie kurzfristig auf eine Entscheidung von Kimmich warten. Das ist ein klares Zeichen an ihn“, erklärte etwa Lothar Matthäus bei Sky. Der aktuelle Kontrakt des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft läuft zum Saisonende aus.
Dass eine Verlängerung am Finanziellen scheitert, vermuten die wenigsten. Mangelndes Vertrauen könnte vielmehr der Grund für Kimmichs Zögern sein. Wie die Langzeit-Doku im ZDF, „Joshua Kimmich: Anführer und Antreiber“, offenbart hatte, fühlte sich der Münchner während der Impfdebatte in der Corona-Pandemie – Kimmich hatte eine Impfung zunächst verweigert – im Stich gelassen.
Zeitweise musste er als ungeimpfte Kontaktperson in Quarantäne und bekam sein Gehalt von den Bayern gestrichen. „Da habe ich dann gemerkt, wie der Verein reagiert hat und dementsprechend bin ich da schon enttäuscht und auch getroffen“, sagte Kimmich noch im März 2022. Das Vertrauensgefühl gegenüber dem Verein sei kaputtgegangen.
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Nun ist es aber so, dass ihm der Wohlfühlfaktor in einem Verein und der Stadt sehr wichtig ist, ebenso wie die Möglichkeit, sportlich alles erreichen zu können. Bei seiner Vertragsverlängerung 2021 sagte Kimmich, dass er sich „persönlich zu 100 Prozent mit dem Verein identifiziere“ und München zu einer zweiten Heimat geworden sei.
Kimmich gehört statistisch zu den Topspielern der Bundesliga
Aus rein sportlicher Sicht muss eine Vertragsverlängerung im Interesse des Rekordmeisters liegen. Schaut man sich etwa die Zweikampfwerte oder Kimmichs Laufleistung an, gehört er weiterhin zu den Topspielern der Bundesliga. Sowohl dort als auch in der Champions League und dem DFB-Pokal bestritt er jedes einzelne Spiel über die volle Distanz. Die einzige Ausnahme stellt der jüngste 4:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt dar, als er in der 43. Minute verletzungsbedingt ausgewechselt worden war. Die erlittene Sehnenreizung setzt ihn nun wohl auch für das Topspiel gegen den VfB Stuttgart am Freitagabend (20.30 Uhr, Dazn) außer Gefecht.
Fakt ist: Kimmich ist im zentralen Mittelfeld des FC Bayern kaum wegzudenken. Während Thomas Tuchel nicht völlig auf ihn setzte, hat sein Nachfolger auf der Trainerbank, Vincent Kompany, alles um den 30-Jährigen drumherum gebaut. Sowohl mit dem Ball als auch im Pressing nimmt er eine entscheidende Rolle ein, der er in so gut wie jedem Spiel vollends gerecht wird. Kimmich ist gesetzt und die einzige Frage ist, ob Leon Goretzka, Aleksandar Pavlovic oder Joao Palhinha neben ihm spielen.
Letzterer gilt als Verkaufskandidat im Sommer. Zumal Kompany in seinem Spielsystem, anders als sein Vorgänger, keinen klassischen Abräumer, sondern Spieler mit herausragender Technik, exzellentem Passspiel und einem guten Pressingverhalten braucht. All das erfüllt Kimmich.
Hinzu kommt, dass der Münchner in seiner gesamten Karriere so gut wie nie verletzt war. Abgesehen von zwei Corona-Infektionen belief sich seine längste Ausfallzeit am Stück auf 47 Tage, als er in der Saison 2020/21 aufgrund eines Meniskusschadens passen musste.
Die Wichtigkeit eines Spielers für seine Mannschaft oder den Verein lässt sich allerdings nicht allein an Statistiken messen. Kimmich wurde im Juli 2015 von Pep Guardiola wegen seiner besonderen Mentalität aus der Zweiten Liga nach München geholt. Er entwickelte sich auch aufgrund seines scheinbar grenzenlosen Ehrgeizes zum Leistungsträger.
Man kann ihn ob dieser teilweise verbissen wirkenden Einstellung kritisieren, doch sie kann auch energiegebend für eine Mannschaft sein. In großen Spielen geht Kimmich voran und liefert mit seinen Leistungen so gut wie immer ab. Eine wichtige Eigenschaft, die man beim FC Bayern braucht, denn dort sollen schließlich Titel gewonnen werden.
Die einzige Frage, die nun bleibt, ist die nach der Verbissenheit Kimmichs im Zuge der Vertragsverhandlungen. Denn richtig ist, dass er und der FC Bayern vor einer Grundsatzentscheidung stehen. Und beide würden gut daran tun, diese Verbissenheit nicht die Oberhand gewinnen zu lassen, sondern sich auf eine Vertragsverlängerung zu einigen.