In einem Punkt waren sich alle Beteiligten einig: Dass die Basketballsaison in der Euroleague so langsam in die Zielkurve einbiegt. Und wer sich nicht sputet, wird keinen Startplatz für die finale K.-o.-Runde erhalten. Folglich brummte Vladimir Lucic am Donnerstagabend mit ernstem Blick und typisch tiefer Stimme: „Die Saison ist jetzt in einer entscheidenden Phase“, da müsse man schlichtweg bereit sein.
Dass sein Team nicht bereit war, darf man dem Kapitän der Basketballer des FC Bayern nicht vorwerfen, die Münchner verloren dennoch in einem intensiven Spiel bei Paris Basketball mit 88:93 Punkten. Das könnte ihnen noch auf die Füße fallen, denn nach dem denkbar knappen 109:107-Erfolg im Hinspiel haben die Franzosen den direkten Vergleich für sich entschieden. Was angesichts des immens engen Tableaus noch wichtig werden könnte. Derzeit sind die Münchner auf den siebten Platz und damit aus der direkten Qualifikation für die Playoffs geplumpst, gleichwohl wären sie für die Playins startberechtigt. Die Teams auf den Rängen sieben bis zehn spielen die beiden finalen Plätze für die acht Playoff-Teilnehmer aus.
Angesichts der Abstände nach hinten kein Grund zum Aufatmen, zwei, drei Niederlagen mehr und der FCB würde aus der begehrten Zone purzeln. Mailand, Real Madrid, Barcelona oder Efes Istanbul rangieren allesamt hinter ihnen, Klubs, die sich sicher nicht so einfach mit dem Verpassen der Playoffs abfinden wollen – da noch sieben Spiele ausstehen.
T.J. Shorts und Maodo Lo sind aus der Bundesliga bestens bekannt, nun sind sie für den Pariser Sieg maßgeblich
Umso ärgerlicher war die knappe Niederlage in Paris, der Eurocup-Champion zählt wie die Bayern zu den positiven Überraschungen der Saison. Die Franzosen zeichnet ein enormes Tempo aus, sowie eine Riege von Guards, die wie Speedy Gonzales durch die gegnerischen Defensivreihen rasen. Allen voran T.J. Shorts, bei dem der Name Programm ist. In der Bundesliga ist der 1,75 Meter kleine US-Spielmacher nach dem Gewinn der Champions League mit Bonn unvergessen, beim Pariser Eurocup-Sieg war er ebenfalls wichtigster Protagonist. Auch in der Euroleague ist er ein Kandidat für den Titel des wertvollsten Spielers, gegen München erzielte er 27 Punkte.
Assistiert wird er von Weltmeister Maodo Lo, der mit weniger Wucht als Shorts auf die Defensive zurennt, es aber versteht, mit seinen Körpertäuschungen durch die gegnerischen Reihen zu tänzeln. Der ehemalige Münchner erzielte 14 Punkte. Dass die Bayern auf diesem Niveau problemlos mithalten können, haben sie mehrmals bewiesen, auch in Paris: Carsen Edwards ist noch höher einzuschätzen als Shorts, was er mit 29 Punkten belegte. In Andreas Obst (20 Punkte) hat der FCB den derzeit besten Distanzschützen Europas in seinen Reihen, zudem kommt Shabazz Napier (14) nach seiner Verletzung zusehends wieder in Form, auch Johannes Voigtmann traf zweistellig (11).
Dass es dennoch nicht reichte, lag daran, dass die Pariser sehr aggressiv verteidigten und im Reboundspiel den größeren Willen zeigten. Auch war sicher nicht dienlich, dass Oscar da Silva bereits nach zwei Minuten wegen einer Knieverletzung passen musste, angesichts des Fehlens des verletzten Devin Booker ein Grund zur Sorge. Weitere Untersuchungen sollen Klarheit bringen, gleichwohl drängt die Zeit. Am Sonntag schon gastieren die Bayern in der Bundesliga in Chemnitz, am Donnerstag folgt das Heimspiel gegen Roter Stern Belgrad.
In der Bundesliga immerhin drängt die Zeit weniger als im internationalen Geschäft, da stehen für den Tabellenführer noch 14 Partien auf dem Programm. Und die Playoff-Teilnahme ist kaum gefährdet.