Diego Demme schaute in der Mixed Zone ein wenig irritiert durch die Gegend. Nach kurzem Zögern begab er sich schließlich Richtung Absperrung, wo die Journalisten warteten und von ihm Auskunft begehrten. Aber durfte er das überhaupt? „Ich bin gar nicht eingeteilt“, sagte Demme. Dann sprach er doch. Über den Sieg von Hertha BSC gegen den Karlsruher SC und sein kleines Comeback für den Berliner Fußball-Zweitligisten.
Demme war zuletzt auch häufiger mal nicht eingeteilt, wenn seine Kollegen in der Liga um Punkte kämpften. Am Samstag kam er erstmals in diesem Jahr in Herthas Startelf zum Einsatz. „Ich hab mich gefreut, mal wieder auf dem Platz zu stehen, auch über 90 Minuten“, sagte Herthas Mittelfeldspieler. „Das tut einfach gut.“
Als Demme im vergangenen Sommer nach Berlin kam, war der Plan mit ihm ein anderer. Der frühere Nationalspieler mit Champions-League-Erfahrung und Meisterehren in der italienischen Serie A war bei Hertha für eine Führungsrolle vorgesehen. Auf der neuralgischen Position des Sechsers sollte er der Mannschaft mit vielen jungen Talenten ein Anker sein. Doch daraus wurde nichts.
Nur elfmal stand der 33-Jährige in der Startelf, nur fünfmal blieb er die vollen 90 Minuten auf dem Platz. Zweimal ist Demme länger ausgefallen, jeweils wegen einer Kopfverletzung. Zum ersten Mal im Herbst und dann noch einmal zu Beginn der Rückrunde. Den eigentlich für ihn reservierten Platz in der Stammelf hat er dadurch an den jungen Pascal Klemens verloren.
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Demme sollte schon im Sommer 2023, unmittelbar nach Herthas Abstieg aus der Bundesliga, nach Berlin kommen. Sein angeblich über Wochen unmittelbar bevorstehender Wechsel war für die Fans des Vereins so etwas wie der Running Gag jenes Sommers. Am Ende aber scheiterte der Transfer an der zu hohen Ablöseforderung seines damaligen Klubs SSC Neapel.
Doch Hertha hielt den Kontakt und verpflichtete Demme dann eben mit einem Jahr Verspätung, nachdem sein Vertrag in Neapel ausgelaufen war – ungeachtet der Tatsache, dass er in seiner letzten Spielzeit in Italien bei drei Einsätzen nur noch 127 Minuten auf dem Platz gestanden hatte. Daher wirkte es fast ein bisschen so, als hätten sie sich bei Hertha auch in den Gedanken verliebt: Und wir kriegen ihn doch!
Demmes Premierensaison in Berlin steht ein bisschen sinnbildlich für die Dellen in Herthas Transferpolitik. Er ist nicht der einzige Spieler, der mit hohen Erwartungen geholt worden war und der diese Erwartungen dann mangels verlässlicher Verfügbarkeit nicht erfüllen konnte.
Bei Kevin Sessa, ablösefrei vom Bundesligisten 1. FC Heidenheim gekommen, ist es bisher ähnlich gelaufen. Laut Trainer Stefan Leitl ist der 24-Jährige ein Spieler, „der dir sehr viel Energie geben kann“.
Dazu aber ist es wegen diverser Verletzungen noch nicht gekommen. Sessa ist nur in gut der Hälfte aller Ligaspiele (15 von 27) zum Einsatz gekommen. Neunmal stand der Mittelfeldspieler in der Startelf, nur dreimal spielte er 90 Minuten durch.
Verfügbarkeit ist auch eine Qualität
Bei John Anthony Brooks, 32, fällt die Bilanz noch bescheidener aus. Der Innenverteidiger kehrte kurz vor Transferschluss im August zu seinem Heimatverein zurück, um Abwehrchef Marc Kempf zu ersetzen. Doch gleich im ersten Training zog er sich eine schwere Verletzung am Sprunggelenk zu. Brooks hat noch keine Sekunde für Hertha gespielt – und wird das in dieser Saison auch nicht mehr tun.
Jeremy Dudziak, 29, zählt bei den Berlinern ebenfalls zu den Dauerverletzten. Am zweiten Spieltag ist er zuletzt für Hertha zum Einsatz gekommen, nachdem er schon in der vergangenen Saison nicht mal die Hälfte der Spiele bestritten hatte.
Verfügbarkeit ist auch eine Qualität. Aber Qualität kostet. Dudziak ist das beste Beispiel dafür, dass die Berliner angesichts ihrer bekanntermaßen schwierigen Finanzsituation Kompromisse bei ihrer Transferpolitik eingehen mussten. Als er im Sommer 2023 verpflichtet wurde, waren Herthas Verantwortliche froh, überhaupt jemanden für die Position des Linksverteidigers gefunden zu haben.
Anders als Dudziak und Brooks sind Kevin Sessa und Diego Demme inzwischen immerhin dabei, wieder in den Rhythmus zu kommen. „Ich war mit Diego zufrieden. Er hat seine Sache gut gemacht“, sagte Trainer Leitl über Demmes Startelf-Comeback gegen den KSC.
Demme würde sich freuen, auch im nächsten Spiel beim 1. FC Köln am Samstagabend wieder in der Startelf zu stehen. „Aber am Ende entscheidet das der Trainer“, sagte er. „Er wird die richtige Entscheidung treffen.“
Seine kurzfristigen Aussichten sind allerdings gar nicht schlecht. Zum einen ist noch unklar, ob Pascal Klemens nach seiner Hüftprellung schon am Wochenende wieder zur Verfügung stehen wird. Zum anderen würde Klemens in diesem Fall wohl als Innenverteidiger auflaufen müssen, da Marton Dardai gelbgesperrt ist. Diego Demme muss nur gesund bleiben.