Beinahe wäre wenigstens der Februar 2025 ein Wintermonat geworden, wie er im Lehrbuch der Meteorologen steht: ordentlich Schnee und voraussichtlich 19 frostige Nächte, dazu zwei Tage mit Dauerfrost. Aber auf den letzten Metern schwächelt er. Bis zum Monatsende wird er gemäß der Hochrechnung wohl ebenfalls etwas zu mild im Vergleich zum einst normalen Berliner Klima ausfallen. Seit Mai 2023 waren alle Monate und alle Jahreszeiten in Berlin wärmer als im sogenannten langjährigen Mittel.
Genau genommen gibt es zwei Klimamittel. Das aktuellste bezieht sich auf die Messperiode 1991 bis 2020, die deutlich von der menschengemachten Erwärmung geprägt ist. Deshalb ziehen Meteorologen als aussagekräftigere Vergleichsgröße oft das Mittel von 1961 bis 1990 heran. Das liegt näher am Durchschnittsklima der mittlerweile 117 Jahre, in denen in Berlin – konkret: an der Wetterstation in Dahlem – permanent gemessen wird.
Der nun endende meteorologische Winter in Berlin begann mit einem vier Grad milden Dezember ohne Schnee und nur einem Tag Frost. Normal wären nach dem alten Mittel 1,2 und nach dem neuen 2,0 Grad gewesen. Der Januar, statistisch der kälteste Monat des Jahres, brachte es auf 2,8 statt minus 0,6 (alt) beziehungsweise 2,0 (neu) Grad. Mit 15 frostigen Nächten war er zwar relativ nahe am historischen Mittel, aber nur zwei Tage mit Dauerfrost liegen weit unterm Schnitt.
Der Februar liegt mit einem voraussichtlichen Temperaturmittel von 0,9 Grad zwischen dem alten (0,6) und dem neuen (1,9) Normal. Mit 19 voraussichtlich Nachtfrösten liefert er auch sein historisch übliches Soll ab und brachte immerhin zwei Eistage mit Dauerfrost (normal alt: 6, neu: 4). Die kälteste Nacht und der wärmste Tag dieses Winters lagen nur sechs Tage auseinander: Minus 11,2 Grad waren es am Morgen des 18. Februar und frühlingshafte 15,4 Grad am 24. Februar, dem Montag nach der Bundestagswahl.
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Ebenfalls auf der Habenseite stehen stolze 14 Zentimeter Schnee am 14. Februar. „So viel hatten wir seit vier Jahren nicht mehr“, berichtet Jörg Riemann, Chefmeteorologe des Dienstes „Wettermanufaktur“, der die Daten für den Tagesspiegel ausgewertet hat. Zugleich habe der Februar den Mangel an Sonnenschein der beiden sehr grauen Vormonate mehr als ausgeglichen.
Passend dazu war der Februar mit reichlich zehn Liter Niederschlag pro Quadratmeter extrem trocken. Der trockenste Monat im Jahr ist er ohnehin – weil er kürzer ist als die anderen und weil es im Winter nie kräftig gewittert. Weil auch der Dezember relativ trocken war, endet der Winter insgesamt unterm historisch üblichen Schnee- und Regensoll – ungünstig für den Saisonstart der Natur. Der Boden profitiert vor allem, wenn Schnee ganz allmählich einsickern kann. Aber die 19 Tage mit geschlossener Schneedecke liegen ebenfalls unter den langjährigen Mitteln von 48 (alt) beziehungsweise 33 Tagen (neu).
War es das nun mit dem Winter? „Ich denke ja“, sagt der Meteorologe. Was aber im Umkehrschluss keinen Vollfrühling bedeute. Der März beginne mit einem Hoch, das zwar tagsüber wärmende Sonne bringt, aber nachts bei geringer Bewölkung auch frostige Nächte bedeutet. Glücklicherweise sei die Natur in diesem Jahr noch nicht so weit vorangekommen wie nach dem rekordwarmen Februar 2024, auf den ein sommerlicher Frühlingsstart folgte – und dann Nachtfrost im April, der fast die gesamte Obstsaison des vergangenen Jahres ruinierte.