Pro Sieben Sat 1 kommt beim von den Großaktionären geforderten Verkauf von Internet-Geschäften voran. Der deutsche Fernsehkonzern veräußert das bekannte Vergleichsportal Verivox für mindestens 232 Millionen Euro an das italienische Unternehmen Moltiply, wie die Senderkette mitteilte. Wenn es bei Verivox gut läuft, erhält Pro Sieben Sat 1 noch einen Nachschlag von bis zu 43 Millionen Euro, beim Miteigentümer General Atlantic sind es bis zu 17 Millionen Euro. Verivox ist nach Check-24 eine der großen deutschen Vergleichsplattformen.
Mit dem Verkauf kann nun auch der Deal von Pro Sieben Sat 1 mit seinem langjährigen Joint-Venture-Partner General Atlantic in Kraft treten, den das Unternehmen am Freitag beschlossen hat. Durch die Trennung von Verivox bekommt die angeschlagene Sendergruppe nicht nur frisches Geld. Nun könnte auch eine Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch seinen größten Aktionär, die italienische MFE, näherrücken.
Es gibt seit längerem Spekulationen, dass die von der Berlusconi-Familie kontrollierte Media For Europe (MFE) im Zuge ihrer Pläne für ein paneuropäisches TV-Unternehmen ein Übernahmeangebot für Pro Sieben Sat 1 abgeben könnte. MFE hält bereits knapp 30 Prozent an dem Unternehmen aus Unterföhring bei München. Die Bayern stehen unter Druck von MFE und dem tschechischen Großaktionär PPF, Randgeschäfte wie Verivox und den Online-Kosmetik-Anbieter Flaconi zu verkaufen, um sich auf das Kerngeschäft TV und Unterhaltung zu fokussieren.

Exklusiv
Fernsehen
:
Betreiben Sie die Zerschlagung von Pro Sieben Sat 1, Herr Wiele?
Pro Sieben Sat 1 ist tief in der Krise. Aufsichtsratschef Andreas Wiele will künftig nur noch auf Fernsehen und Streaming setzen und sich an einen bislang ungeliebten Großaktionär aus Italien annähern.
Ende Mai gibt es eine Hauptversammlung bei Pro Sieben Sat 1. Bis dahin muss noch ein neuer Aufsichtsratschef gefunden werden. Denn der amtierende Vorsitzende des Kontrollgremiums, der frühere Axel Springer-Manager Andreas Wiele, hatte eine weitere Amtszeit abgelehnt - und dies mit dem Machtkampf zwischen Pro Sieben Sat 1 und seinen beiden Großaktionären begründet. In der Branche gilt es als nicht unwahrscheinlich, dass MFE nach der Aktionärsversammlung eine Übernahme angeht.
Um den Verkauf von Verivox über die Bühne zu bekommen, hat Pro Sieben Sat 1 einen Deal mit dem Finanzinvestor General Atlantic (GA) abgeschlossen und damit strukturelle Vereinfachungen für weitere Verkäufe geschaffen. Der US-Investor ist langjähriger Joint-Venture-Partner von Pro Sieben Sat 1 bei der Dating-Sparte Paarship-Meet Group und bei der E-Commerce-Holding Nu-Com, die etwa Verivox und Flaconi kontrolliert. Teil des Deals ist, dass Pro Sieben Sat 1 alleiniger Eigner der Gemeinschaftsfirma Nu-Com (ohne Flaconi) und der Parship-Meet Group wird und die Minderheitsanteile von General Atlantic übernimmt.
Im Gegenzug erhält der US-Investor Aktien aus dem Bestand von Pro Sieben Sat 1 über rund 2,5 Prozent - mit einem Marktwert von rund 38 Millionen Euro - und zehn Millionen Euro in bar. Zudem bekommt GA eine Beteiligung am Ausstiegserlös von 50 Millionen Euro, wenn Pro Sieben Sat 1 aus der Dating-Sparte Parship-Meet Group aussteigt.