Die deutsche Wirtschaft stagniert. Und 2025? Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ist pessimistisch. Sollte der Handelsstreit zwischen Europa und den USA eskalieren, drohe der deutschen Wirtschaft das dritte Rezessionsjahr, sagte Nagel in einem BBC-Interview. „Nun befinden wir uns in einer Welt mit Zöllen, somit können wir womöglich eine Rezession in diesem Jahr erwarten, wenn die Zölle wirklich kommen“, sagte Nagel. Die Lage sei herausfordernd. Zuletzt hatte sich der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Handelsstreit mit der Europäischen Union verschärft.
Auch das Essener RWI-Institut sagt der deutschen Wirtschaft 2025 das dritte Rezessionsjahr in Folge voraus. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 0,1 Prozent sinken, teilten die Regierungsberater in ihrer Frühjahrsprognose mit. Im Dezember hatten die Ökonominnen und Ökonomen noch 0,6 Prozent Wachstum erwartet. „Die deutsche Wirtschaft steht weiter unter hohem Druck durch Exportkrise, politische Unsicherheiten und strukturelle Schwächen, die Investitionen und Konsum bremsen“, sagte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. Für das kommende Jahr rechnet das Institut mit 1,2 Prozent Wachstum.
Die Forschenden unterstellten, dass sich die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit nach und nach verringert. „Eine Voraussetzung dafür ist, dass die neue Bundesregierung ein Konzept zur Stärkung des Wirtschaftswachstums vorlegt, das auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen umfasst.“ Geplante Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur könnten zwar die Konjunktur beleben, sagte Schmidt. „Strukturelle Hemmnisse wie der Fachkräftemangel und zu viel Bürokratie verhindern allerdings dauerhaftes Wachstum.“
Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) sieht das etwas anders. Eine schwarz-rote Bundesregierung könne bei Umsetzung der in den Sondierungsgesprächen von Union und SPD vereinbarten Pläne im kommenden Jahr mit einem Wachstumsschub rechnen, so das Institut aus Kiel. Das IfW erhöhte seine aus dem Dezember stammende Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes 2026 von 0,9 auf 1,5 Prozent. „Die Investitionen dürften ihre Talsohle durchschreiten und im Jahr 2026 nach vier Rückgängen in Folge wieder zulegen“, erklärten die Kieler Forscher in ihrer Frühjahrsprognosen.