Es sind keine guten Wochen für die große Volkswagen-Familie. Erst musste die Familienholding Porsche SE einen Rekordverlust von rund 20 Milliarden Euro verkünden, verursacht vor allem durch eine Neubewertung der Beteiligung an Volkswagen. Dann stellte VW-Chef Oliver Blume erst die Zahlen des VW-Konzerns vor und dann die des Sportwagenbauers Porsche. Beide Firmen melden herbe Rückgänge des Gewinns um jeweils gut 30 Prozent und keine rosigen Aussichten. Schließlich kam die Nachricht, dass das Rüstungsunternehmen Rheinmetall an der Börse jetzt mehr wert ist als VW, immerhin nach Umsatz gerechnet Europas größter Industriekonzern.
Es wäre also kein Wunder, wenn die VW-Eigentümer, allen voran die Milliardärsfamilien Porsche und Piëch, langsam unruhig würden. Jetzt prüfen sie angeblich einen Teilverkauf ihrer VW-Aktien. Innerhalb des engsten Kreises liege diese Option seit Monaten auf dem Tisch, berichtet die Bild-Zeitung. Bislang kontrollieren die Nachfahren des Autopioniers Ferdinand Porsche über die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE mehr als 53 Prozent der Stimmrechte von VW und haben damit das Sagen, obwohl sie nur 31,9 Prozent der gesamten VW-Aktien besitzen. Nun könnte die Beteiligung sinken, es gebe Szenarien, in denen der Anteil an den Stammaktien mal auf 50, mal auf 45 Prozent reduziert werden würde, heißt es. Es wäre ein durchaus historischer Schritt, sollten die Porsche-Erben wirklich die Mehrheit an VW aufgeben, bestimmen sie doch seit Jahrzehnten den Kurs bei Europas größtem Autobauer.
„Bei der Porsche SE gibt es weder aktuell noch gab es im Jahr 2024 konkrete Überlegungen zur Veräußerung von VW-Aktien“, sagte am Sonntag ein Sprecher dazu. Es habe bisher auch keine Gespräche mit möglichen Investoren gegeben. „Die Porsche SE bekennt sich zur Rolle eines langfristig orientierten Ankeraktionärs der Volkswagen AG und ist vom Wertsteigerungspotenzial des Volkswagen-Konzerns überzeugt“, hieß es weiter. Gleichzeitig würde auch immer wieder die Zusammensetzung des Beteiligungsportfolios geprüft. Man denke „in viele Richtungen“, sagt ein Beteiligter.

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Warum die Porsche-Holding einen Rekordverlust macht
Die Beteiligungsgesellschaft der Familien Porsche und Piëch rechnet mit einem Minus von 20 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen aber trotzdem eine Dividende erhalten. Wie kann das sein?
Eine Dividende soll es trotz des hohen Verlustes geben
Schon alleine die Spekulationen über einen Verkauf überraschen, galt die Beteiligung der Familien doch bislang als sakrosankt. In der im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Porsche SE, die nicht mit dem Sportwagenbauer Porsche AG verwechselt werden darf, haben die Familien Porsche und Piëch ihre Firmenbeteiligungen gebündelt. Dazu gehört neben dem VW-Aktienpaket auch die signifikante Beteiligung an der Porsche AG, zudem gibt es weitere Pakete etwa am Busunternehmen Flix sowie an mehreren Technologieunternehmen in Nordamerika, Europa und Israel. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme bei VW musste die Bewertungen jetzt deutlich reduziert werden, was zu dem 20-Milliarden-Verlust bei der Porsche SE führte.
An der Spitze der Porsche SE steht der ehemaligen VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, im Aufsichtsrat sitzen unter anderem Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch sowie Vertreter der nächsten Generation der beiden Familien. Alle hätten weiter ein großes Interesse an VW, man wolle in jedem Fall eine beherrschende Rolle behalten, verlautet aus Unternehmenskreisen. Bei der Porsche SE wird darauf hingewiesen, dass im Falle einer konkreten Veräußerungsabsicht ein gesonderter Ausweis von zur Veräußerung gehaltenen Anteilen erfolgen müsse, was bisher nicht der Fall ist.
Die Porsche SE will für 2024 trotz des hohen Verlusts weiter eine Dividende vor allem an die Porsches und die Piëchs zahlen. Auch der Sportwagenbauer Porsche AG will die Aktionäre schonen und trotz des Gewinneinbruchs unverändert ausschütten. Es gehe um „Verbindlichkeit und um Vertrauen“, sagte Konzernchef Blume. Für VW gilt das nicht, hier wird die Dividende angesichts des Gewinnrückgangs um 30 Prozent gekürzt. VW und Porsche leiden wie die Konkurrenz von BWM und Mercedes-Benz unter dem flauen Geschäft in China, dort hatte es zuvor besonders hohe Gewinne gegeben. Zudem belastet der schleppende Übergang zur Elektromobilität. Porsche und VW haben bereits den Abbau von Tausenden Jobs angekündigt.