Die hohen Mieten in deutschen Großstädten sind einer Studie zufolge ein Problem für Unternehmen, um Fachkräfte zu finden. Viele Menschen sehen das teure Wohnen einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC zufolge als wichtigen Nachteil für das Leben in Metropolen. Das geht so weit, dass gut ein Drittel über einen Jobwechsel wegen hoher Mieten nachdenkt – eine Minderheit zieht aber tatsächlich deshalb um. „In deutschen Großstädten herrscht massiver Frust über die Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt“, sagt Bernd Roese, Leiter des PwC-Standorts in Frankfurt. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt drohe den Fachkräftemangel in Ballungsräumen noch zu verschärfen.
Für die Studie wurden im November und Dezember 4000 Berufstätige in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren aus zwölf Großstädten online befragt – darunter Berlin, Hamburg, München, Essen, Leipzig und Hannover. Ergebnis der repräsentativen Umfrage: Die große Mehrheit der Menschen bewertet das Leben in der Großstadt als angenehm – etwa die Einkaufsmöglichkeiten, Kultur- und Bildungsangebote, Jobchancen und kurze Arbeitswege. Rund neun von zehn Berufstätigen fühlen sich demnach wohl an ihrem Wohnort. Zugleich sind aber je zwei Drittel mit den Mieten, den Kosten für Wohneigentum und der Zahl freier Mietwohnungen unzufrieden. Fast 90 Prozent meinen, dass es in Großstädten „reine Glückssache“ sei, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Damit setzte sich im Kern der Trend einer Umfrage aus dem Vorjahr fort.
Manche Beschäftigte ziehen die Konsequenzen. Jeder Zehnte hat der Umfrage zufolge schon einmal den Job wegen zu hoher Mieten in der Region gewechselt (Vorjahr: elf Prozent). In der Altersgruppe von 18 bis 34 Jahren sind nach eigener Aussage bereits 18 Prozent wegen teurer Wohnkosten umgezogen. Über einen Jobwechsel wegen hoher Mieten nachgedacht haben bereits 35 Prozent. In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen geben das sogar 43 Prozent an. Wenn Erwerbstätige einen berufsbedingten Umzug in Erwägung ziehen, sind für 58 Prozent bezahlbare Mieten ausschlaggebend – noch vor der Länge des Arbeitsweges (44 Prozent). Drei Viertel (76 Prozent) würden zudem einen Job ablehnen, wenn die Mieten am künftigen Arbeitsort „viel höher“ sind als am aktuellen.
90 Prozent der Befragten fordern Wohnungsbauprogramme für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen. 81 Prozent befürworten, dass Unternehmen Fahrtkosten übernehmen, 85 Prozent wünschen sich Mietzuschüsse in besonders teuren Regionen. Ähnlich viele befürworten, dass Firmen Betriebswohnungen zur Verfügung stellen und die Ausstattung fürs Home-Office finanzieren.
Für viele Befragte ist Home-Office schon Teil der Lösung: 70 Prozent gaben an, dass die Arbeit von zu Hause es ihnen ermöglicht, in einer günstigeren Gegend zu wohnen. Um solche Beschäftigten nicht zu verlieren, seien Unternehmen gut beraten, viel Flexibilität zu ermöglichen und Home-Office-Angebote nicht zurückzufahren, meint PwC-Experte Roese.