Es ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich für den Münchner Agrarkonzern Baywa, der seit dem vergangenen Sommer in einer tiefen, zeitweise existenzbedrohenden Krise steckt. Die gute: Die Baywa kann die Mehrheit an seiner Wind- und Solar-Projekttochter Baywa r.e. an den schweizerischen Miteigentümer EIP abgeben. Mit einer Kapitalspritze über 150 Millionen Euro stockt der Finanzinvestor Energy Infrastructure Partners (EIP) seine Beteiligung von 49 auf 65 Prozent der Anteile auf, wie er am Montag mitteilte. Die Baywa AG muss die kapitalfressende Problemtochter Baywa r.e. damit nicht mehr in ihrer Bilanz konsolidieren, ein positiver Effekt.
Die Schlechte: Gleichzeitig erlässt die Baywa der Firma einen Teil der Schulden und verzichtet auf 350 Millionen Euro aus einem Gesellschafterdarlehen - das bringt neue Probleme. Denn das verzögert die Sanierung des gesamten Konzerns. Die Baywa war in den vergangenen 15 Jahren stark gewachsen. Unter der Führung des langjährigen Konzernchefs Klaus Josef Lutz hatte das Unternehmen massiv expandiert. So ist die Baywa nicht mehr nur als Verkäufer von Saatgut, Baustoffen und Landmaschinen tätig. Inzwischen wurde auch ein großes Geschäftsfeld für Wind- und Solaranlagen, die Baywa r.e., aufgebaut, das dann in Probleme geriet. 2023 betrug der gesamte Baywa-Umsatz mit 23 000 Mitarbeitern nahezu 24 Milliarden Euro. Das ist mehr als etwa der Sportartikelkonzern Adidas erwirtschaftet.
Jetzt muss ein Aktionärstreffen einberufen werden
Zunächst erschwert der Schuldenerlass aber die Sanierung der Baywa. Durch den Verzicht hat die AG ein negatives Eigenkapital und muss nun eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Aktionäre formal darüber zu informieren. Am Volumen einer geplanten 150 Millionen Euro schweren Kapitalspritze bei der Baywa AG soll sich nichts ändern. Trotzdem muss der Vorstand die Verhandlungen mit den beiden Großaktionären - der Bayerischen Raiffeisen-Beteiligungs-AG und der österreichischen Raiffeisen Agrar Invest -, die für die Kapitalzufuhr einstehen, und mit den wichtigsten Banken neu aufschnüren. Die Sanierung soll sich nun bis Ende 2028 hinziehen, ein Jahr länger als geplant.
Das bedeutet, dass die Kreditgeber der Baywa ihr Geld erst später wiedersehen werden. Die Gläubiger der Baywa r.e. haben einer Verlängerung ihrer Kredite bis Ende 2028 laut EIP schon zugestimmt. Auch das Sanierungsgutachten, das eine Insolvenz der Baywa verhindert, muss aktualisiert werden. „Die positive Fortführungsprognose der Baywa AG besteht weiterhin“, betonte das Unternehmen. Auch der Restrukturierungsplan nach dem StaRUG-Gesetz werde später eingereicht als geplant. Mit dem Verfahren will die Baywa einige widerspenstige Gläubiger auf Linie bringen, ohne die Rechte der Aktionäre anzutasten.
Die Baywa r.e. stand bereits früh auf der Verkaufsliste der kriselnden BayWa, weil sie die Bilanz des Mutterkonzerns stark belastete und dessen Schuldenlast immer weiter nach oben trieb. Doch der Vorstand zögerte, weil er sich zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren Erlös erhoffte. Die Firma braucht laut dem ehemaligen Mutterkonzern bis 2028 insgesamt rund 435 Millionen Euro frisches Geld, nachdem das Geschäft mit dem Weiterverkauf von Erneuerbare-Energien-Projekten derzeit stockt. Mit der Kapitalerhöhung und neuen Krediten werde die „Baywa r.e. AG finanziell entsprechend ihrem kapitalintensiven Geschäftsmodell aufgestellt“, erklärte die Baywa. Das könne sich langfristig positiv auf den Wert der Rest-Beteiligung auswirken. Beim Einstieg von EIP 2021 war die Baywa r.e. mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet worden.
„Die Vereinbarung markiert einen Wendepunkt in den laufenden Transformationsbemühungen und signalisiert einen Neuanfang für Baywa r.e. als unabhängiges, privat geführtes Unternehmen, das langfristig auf Profitabilität und Wachstum ausgerichtet ist“, erklärte der neue Mehrheitseigentümer. Jetzt gehe es darum, Effizienzpotenziale zu heben, die Profitabilität zu steigern und das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen, sagte Baywa r.e.-Chef Matthias Taft.