Die Wirtschaft kämpft mit einer Krise. 2023 und 2024 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesunken, auch für 2025 schaut es nicht gut aus. Eine der wichtigsten Aufgaben einer neuen Bundesregierung ist es daher, das Wachstum wieder anzukurbeln. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es jedoch eine gute Nachricht: Sie hatten im vergangenen Jahr wieder mehr Geld zur Verfügung.
Die Reallöhne wuchsen 2024 um durchschnittlich 3,1 Prozent im Vergleich zu 2023, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. „Das war der stärkste Reallohnanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008“, teilten die Statistiker mit. Den Zahlen zufolge legten die Löhne 2024 um durchschnittlich rund 5,4 Prozent zu, die Verbraucherpreise dagegen nur um 2,2 Prozent. Am Ende hatten die Beschäftigten damit gut drei Prozent mehr. Als Grund für das kräftige Plus führen die Statistiker die Inflationsausgleichsprämie, eine geringere Teuerung und kräftige Lohnerhöhungen an.
Wenn die Menschen in Deutschland mehr Geld zur Verfügung haben, könnte der private Konsum steigen, was wiederum gut für die Entwicklung des BIP ist. Doch noch ist nichts davon zu spüren. Die Kauflaune der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher trübt sich vielmehr weiter ein. Das Barometer für das Konsumklima im März sank überraschend auf minus 24,7 Punkte, wie die GfK und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) mitteilten. Der Grund: Nach wie vor sei die Verunsicherung unter den Konsumenten groß, die Planungssicherheit fehle. Zudem werden in einigen Branchen, etwa in der Autoindustrie, gerade Jobs abgebaut. Da halten viele ihr Geld lieber zusammen anstatt es auszugeben.
Der Gender Pay Gap ist kleiner geworden
2022 waren die Reallöhne insgesamt noch deutlich gesunken, weil damals die Inflation deutlich nach oben ging, unter anderem auch durch höhere Energiepreise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Jetzt geht es also wieder in die andere Richtung. „Trotzdem lagen die Reallöhne auch im vergangenen Jahr noch immer unter dem Niveau des Jahres 2019“, so Malte Lübker vom gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).
Die Verdienste der Vollzeitkräfte seien insgesamt 2024 um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, so die Statistiker weiter. Interessant dabei: Unter den Vollzeitbeschäftigten wiesen laut den Zahlen Frauen mit einem durchschnittlichen Nominallohnwachstum von 5,8 Prozent stärkere Verdienststeigerungen auf als Männer (5,3 Prozent). Dies habe zu einer Verringerung des Gender Pay Gap, also der Differenz zwischen den Löhnen von Männern und Frauen, von 18 auf 16 Prozent beigetragen.
Wie geht es nun weiter? Das ist noch offen, die Inflation liegt auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig sind im vergangenen Jahr die Inflationsausgleichsprämien ausgelaufen. Das waren steuer- und abgabenfreie Einmalzahlungen von bis zu 3000 Euro für viele Beschäftigte. Davon haben laut Statistischem Bundesamt Geringverdienende besonders stark profitiert. Dazu kommt: Dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge sind Produktivitätsfortschritte langfristig die mit Abstand wichtigste Quelle für Kaufkraftgewinne. „Die Arbeitsproduktivität ist angesichts der wirtschaftlichen Stagnation hierzulande allerdings seit Jahren nicht gestiegen“, sagte IfW-Ökonom Dominik Groll zu Reuters. Die Folge: Für das Jahr 2025 zeichne sich daher ein merklich geringerer Kaufkraftzuwachs für die Arbeitnehmer ab als im vergangenen Jahr.