Libuše Jarcovjáková läuft durch die Welt wie eine rotzige, verstrubbelte Elfe und macht mit ihrer Kamera alltägliche Wunder sichtbar, damit auch normalsterbliche Menschen sie wieder sehen können: die tote Krähe auf dem Pflaster, ein Mädchen, das seine kleine Nase an eine Scheibe quetscht, eine zerwühlte Bettdecke, aus der zwei Füße gucken.

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Die 1952 geborene tschechische Fotografin wird mit Nan Goldin verglichen, was wegen ihrer Aufnahmen von queerem Leben, oft im eigenen Umfeld, auch passt. Aber das Filmporträt „Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte“ hinterlässt eher den Eindruck einer wunderbar planlos durchs Leben flatternden Person, die nie Lust hatte, sich auf ein Thema festzulegen. Eine fortwährend Suchende, die nach der Niederschlagung des Prager Frühlings beginnt, ihre Selbstfindung festzuhalten, aber auch den Alltag in ihrem Land.
Film und Ausstellung
„Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte“, Tschechien/ Slowakei/ Österreich 2024, 90 Min., Regie: Klára Tasovská. Am Freitag, 28.2. wird der Film um 18:30 Uhr im Kino Krokodil in Anwesenheit der Fotografin gezeigt.
Ausstellung „T-Club – Just Like in Paradise“ mit Fotos von Libuše Jarcovjáková aus dem legendären Prager Club.
KVOST, Leipziger Str. 47, Mitte, bis 19.4., Mi-Sa 14-18 Uhr.
Sie fotografiert Arbeiter in einer Druckerei, die Roma-Community und immer wieder sich selbst. Wegen ihrer Bilder aus einem Prager Schwulenclub (aktuell in einer Ausstellung im Kunstverein Ost zu sehen) bekommt sie Ärger mit der Polizei; als ihr das Land zu eng wird, heiratet sie zum Schein einen Mann – als Eintrittskarte für eine Emigration nach West-Berlin. Dort arbeitet sie als Putzkraft, fotografiert den Mauerfall und zieht nach Tokio weiter, wo sie als Modefotografin Erfolg hat. Und kehrt schließlich nach Prag zurück.
Sie ist inzwischen 72 und freut sich, wenn sich Gespräche mit „jungen Leuten“ ergeben, wie sie in einem Interview erzählt, die sich für ihre Arbeit interessieren; zuletzt bei einer Vorlesung in der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Ihr Rat: „Ganz gewöhnliche Sachen fotografieren, die unmittelbar in der Nähe sind. Und: Geduld haben!“
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Der Film von Klára Tasovská, der im vergangenen Jahr auf der Berlinale Premiere feierte, ist ein erstaunliches Seh-Erlebnis, wie ein Daumenkino montiert aus Zehntausenden Bildern Jarcovjákovás, der Text stammt aus den Tagebüchern der Fotografin. Ein intimes und poetisches Zeugnis einer Selbst-Werdung.