In fast jedem Bezirk sind Sporthallen gesperrt. Das bringt Einschränkungen für Schulen und Vereine mit sich. Nur in Treptow-Köpenick können momentan alle Hallen genutzt werden. Der Direktor des Landessportbunds, Friedhard Teuffel, spricht von einer „katastrophalen Lage“, die Senatsverwaltung für Bildung von „Herausforderungen“.

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Im Bezirk Mitte zählen laut einer Sprecherin unter anderem unzumutbare Sanitäranlagen, Schimmelbefall, Brand- und Wasserschäden oder die Nutzung als Mensa zu den Gründen, warum sieben der 89 Sporthallen gesperrt sind. In Tempelhof-Schöneberg dringt Wasser durch das Fundament einer Sporthalle, in einer anderen Halle ist der Boden durch Haftkleber und falsche Reinigung beschädigt. Eine dritte Halle sei nach einem Brandanschlag nicht nutzbar, hieß es aus dem Bezirksamt.
Schimmel, unzumutbare Toiletten, Brandstiftung
In Steglitz Zehlendorf müsse die „Neue Sporthalle“ der Schweizerhof-Grundschule statisch und energetisch saniert werden, teilte ein Referent des Bezirksamts mit. Zwei weitere Hallen sind ebenfalls in dem Bezirk gesperrt: Dort stehen Fenster- und Dach- sowie eine Grundsanierung an.
„Hoher Nutzungsdruck sowie Sanierungsbedarfe führen dazu, dass Schülerinnen und Schüler sowie Vereinssportler teils mit Einschränkungen leben müssen“, erklärte der Sprecher der Bildungsverwaltung, Martin Klesmann. Gleichzeitig sei dem Senat bewusst, wie wichtig funktionierende Sportinfrastrukturen sowohl für den Schul- als auch den Vereinssport seien. „Daher arbeiten wir gemeinsam mit den Bezirken intensiv daran, den Bestand zu modernisieren und neue Kapazitäten gerade für den Schulsport zu schaffen“, so Klesmann weiter.
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Die Arbeiten dauern oft Jahre: So ist die Sporthalle der Schweizerhof-Grundschule bereits seit 2015 geschlossen. Damals diente sie als Flüchtlingsunterkunft. Es sei bis jetzt nicht absehbar, wann die Sporthalle wieder für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen wird, so der Referent des Bezirksamts.
Immer neue Mängel und Brandstiftung
Fast genau so lang – seit 2016 – sind die beiden Doppelstockhallen am Efeuweg und am Buckower Damm in Neukölln gesperrt. Auch diese Hallen dienten als Notunterkünfte. „Während andere Hallen nach der Unterbringung von Geflüchteten wieder geöffnet werden konnten, wurde für die beiden baugleichen Doppelstockhallen eine umfassende Sanierung beschlossen, die nach der Nutzung notwendig wurde“, erläutert ein Sprecher des Bezirksamts.
Im Zuge der Sanierung seien nach und nach umfangreiche weitere Mängel festgestellt worden, was die Dauer der Arbeiten zusätzlich verlängert habe. „In einem Fall entstand darüber hinaus durch Brandstiftung an der Baustelle eine weitere Verzögerung“, so der Sprecher.
Arbeiten ziehen sich über Jahre
Die beiden Hallen im Bezirk Neukölln sind die Ausnahmen. Alle anderen der 86 Schulsporthallen können auch als solche genutzt werden, allerdings sind auch die geöffneten Hallen mitunter deutlich in die Jahre gekommen. Für die von der Schließung betroffenen Schüler besteht in diesem Jahr Hoffnung, dass auch die Arbeiten in den Doppelstockhallen fertig werden: „Derzeit gehen wir davon aus, dass die Hallen im Laufe des Jahres 2025 fertiggestellt werden und zum Schuljahresbeginn 2025/26 genutzt werden können“, so Sprecher.
Ausbessern und am Leben halten
In Friedrichshain-Kreuzberg werden momentan zwei Hallen saniert und eine dritte neu gebaut. Der Sanierungsbedarf sei insgesamt aber enorm, erläuterte Tim Styrie von der Pressestelle. „Es gibt mehrere Standorte, die in den nächsten Jahren eigentlich grundhaft saniert werden müssten, für die jedoch keine Finanzierung in Aussicht steht“, so Styrie. Der Bezirk versuche Schäden zu reparieren, bevor sich diese ausweiten. Manchmal diene dies aber nur noch dazu, Hallen bis zu einer grundhaften Sanierung noch ein paar Jahre „am Leben zu halten“.
Weniger Unterricht, längere Fahrzeiten
In Pankow sind zehn Hallen nicht nutzbar, 112 gibt es laut Bezirksamt. Dort wird abgerissen, neu gebaut oder saniert. Eine Halle ist wegen Brandschutzauflagen gesperrt. Um Zustände wie diese zu kompensieren, seien von Jahr zu Jahr unterschiedliche Übergangslösungen notwendig, hieß es aus dem Bezirksamt. Das bedeutet, dass Schüler andere Hallen nutzen. Deshalb müssten oft Unterrichtszeiten gekürzt werden, um die Fahrtwege auszugleichen, hieß es.
Für den Vereinssport sei es ähnlich. Jährlich kämen neue Sanierungen und damit einhergehende Sperrungen von Sporthallen dazu, für die es Übergangslösungen brauche. Bei geplanten Abrissen werden schon weit im Voraus alternative Trainingsmöglichkeiten für die Vereine gesucht. Häufig würden diese in neue Sporthallen verlegt, teilte das Büro von Sportstadtrat Jörn Pasternack (CDU) in Pankow mit.
Vereine müssen flexibel sein
Auch in anderen Bezirken müssen Vereine flexibel sein. „Aufgrund der extrem hohen Auslastung der Sportanlagen wegen der dramatischen Unterversorgung können die Vereine aber oftmals als Ersatz nicht alle bisherigen Nutzungszeiten an einem anderen Standort bekommen“, erklärt Tim Styrie aus Friedrichshain-Kreuzberg. Andere Vereine müssten zusammenrücken oder auch Zeiten abgeben. „Bei kurzzeitigen Sperrungen können die Vereine nur selten untergebracht werden. Oftmals muss das Training dann vorübergehend ausgesetzt werden“.
Er betont allerdings auch, dass sich insbesondere durch die Berliner Schulbauoffensive (BSO) die Anzahl der Sporthallen und die Anzahl der Hallenteile erhöht habe und in den nächsten Jahren weiter erhöhen werde. Auch die Anzahl der Sanierungen von Schulsporthallen sei durch die BSO erhöht worden.
Laut Bildungsverwaltung wurden seit Beginn der Offensive 19 Sporthallen errichtet. Derzeit befinden sich demnach sechs weitere Standorte im Bau und zwei weitere sind in Planung. Künftig sollen weitere Hallen entstehen. Trotz der Bemühungen: Die Kapazitäten reichen nicht.
Landessportbund ruft nach Geld vom Bund
„Zum Teil müssen Wartelisten geführt oder diese sogar geschlossen werden, weil Vereine und ihre Mitglieder immer öfter vor gesperrten Hallen stehen“, sagt Friedhard Teuffel vom Landessportbund (LSB). „Der LSB und der Berliner Senat rechnen mit einem Sanierungsbedarf alleine bei bezirklichen Sportstätten von circa 400 Millionen Euro“, so Teuffel weiter. Dieselbe Summe komme in etwa bei Mängeln an Schulsportanlagen hinzu.
Laut Klesmann stehen den Bezirken jährlich Bauunterhaltsmittel in Höhe von 200 Millionen Euro zur Verfügung, die auch für die Instandsetzung von Schulsporthallen eingesetzt werden. Aus Sicht des Landessportbunds reicht das Geld vom Land Berlin nicht. Friedhard Teuffel sprach sich deshalb für ein Bundesprogramm aus. (dpa)